Nomaden/Projektbeschreibung/Interview

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Als eins, das neu beim nomadischen Netzwerk ist, habe ich an zwei der bisherigen Projektmenschen Fragen gestellt, um herauszufinden, worum es bei Homes for Nomads geht. Hier also was ich verstanden habe. --ibu

Jugendumwelkongress(Jukss) 2006/2007

Warum nomadisch?

  • Ausgangspunkt ist das Bedürfnis vieler Menschen, nicht an einem festen Ort zu leben, die immer gleichen Leute zu sehen oder immer denselben Tagesablauf zu haben, sondern viele andere Menschen zu sehen und mit ihnen in einer Gemeinschaft zu leben, ohne die Enge einer WG oder Kommune.
  • Bei Kongressen oder Camps entsteht meist ein Gemeinschafts-Feeling, das sich am Ende aber wieder auflöst. Das nomadische Netzwerk soll ein Versuch sein, diese freundschaftliche Atmosphäre das ganze Jahr über hinzubekommen.
  • Wenn sich Leute an einem Ort nicht mehr wohlfühlen, können sie einfach den Ort wechseln. Der Vorteil im Vergleich zu bisherigen Wohnformen ist, dass mensch die Gemeinschaft der anderen nicht zurücklassen muss wie beim Auszug aus einer WG oder Kommune, sondern in die Gemeinschaft zurückkehrt.
  • Die Möglichkeit, das eigene Umfeld je nach Interessen oder Wünschen zu wechseln, kann sehr bereichernd sein. Nach einer Eingewöhnungsphase an einem neuen Ort gibt es meist eine Ruhephase, in der mensch sich wohlfühlt, bis mensch schliesslich des immer Gleichen überdrüssig wird und eine Abwechslung braucht.
  • Viele Menschen empfinden Besitz als Last; NomadInnen wollen nicht fest be-sitzen an einem festen Wohn-sitz.

Warum wollen NomadInnen ein zu Hause?

  • Die nicht-sesshafte Lebensweise, wie sie z.B. von Hospitalityclub oder Couchsurfing unterstützt wird, macht NomadInnen zu GästInnen. Der Gaststatus schränkt die Möglichkeiten der Teilnahme stark ein:
    • Mensch muss sich mit seinen/ihren Wünschen zurückhalten und die Regeln der GastgeberIn befolgen, um den Gaststatus nicht zuverlieren.
    • Mensch kann den Ort nicht selbstbestimmt gestalten (z.B. die Wände nicht nach eigenen Wünschen bemalen).
    • Mensch kann die Aufenthaltsdauer nicht selbst bestimmen.

Wie könnte das Netzwerk funktionieren?

  • Es sollte für alle sichbar sein, wer gerade an welchem Ort ist.
  • An den Orten sollte es ein Buch geben, in dem steht, wie das Haus funktioniert (z.B. Erwartungen der sesshaften MitbewohnerInnen, Infos zur Ortschaft und NachbarInnen, Umgang mit Müll, ...), was getan wurde, was zu tun ist (z.B. anstehende Renovierungen). (Z.B. Gartenarbeit erfordert eine solche Kontinuität.)
  • Die Bedürfnisse und Besonderheiten der Orte sollten klar kommuniziert werden damit NomadIn die Möglichkeit hat sich gleichberechtigt in den Alltagsablauf zu integrieren und nicht durch unverständnis der Abläufe in eine Gastrolle rutscht.

Wer sind die NomadInnen?

  • Die Initiative geht aus von einigen Menschen, die vorwiegend in verschiedenen Teilen Deutschlands leben und mit dem sesshaften und verstreuten Leben unzufrieden sind.
  • Das Netzwerk richtet sich an Menschen, die sich untereinander kennen (oder besser kennenlernen wollen) und sich gerne sehen, ohne dafür dauerhaft an den gleich Ort ziehen zu müssen.
  • Ansonsten sind die NomadInnen bunt zusammengewürfelt und wollen keine Einheit, sondern sich durch ihre Vielfalt bereichern.

Wo sind die Orte, an denen sich die NomadInnen aufhalten?

  • Es gibt derzeit noch keine Netzwerk-Knoten, die Suche hat gerade erst begonnen. Gesucht wird in Europa, derzeit vor allem im deutschsprachigen Raum.
  • zur Zeit treffen sich die Menschen immer wieder auf Kongressen, Camp's,... roy.ly

Hat die Idee einen Haken?

  • Auch manche Menschen, die sich als sesshaft begreifen, wechseln öfter den Wohnsitz. Die Probleme und Konflikte, die dabei auftreten, können auch bei NomadInnen auftreten. Andererseits gehen im nomadischen Netzwerk die sozialen Bindungen beim Umzug an einen anderen Ort nicht verloren.
  • Klar ist: Kommunikation ist für das Netzwerk sehr wichtig. (Der Unterschied zu herkömmlichen Wohnformen ist, dass es mehr Leute sind, mit denen ich kommuniziere.)
  • Evtl. können Hierarchien dadurch entstehen, wenn NomadInnen mit dauerhaft(er) Wohnenden zusammen wohnen und diese ihr im Laufe der Zeit gesammeltes Wissen nicht mit den NomadInnen teilen.Anderseits bereichern das Wissen und die Möglichkeiten der NomadInnen den Ort. Die Gefahr der wissenshirarchie besteht auf beiden Seiten und sollte klar kommuniziert werden.
  • Es besteht die Gefahr, dasz sich NomadInnen, da sie ja jederzeit wieder gehen können, wenn ihnen was nicht paszt, konfliktscheu werden (sind); das Nachsehen haben möglicherweise die Zurückbleibenden, weil evtl. entstandene Probleme oder Tätigkeitsfelder zurückbleiben... Selbstreflexions- und Kommunikationsbereitschaft sollten bei NomadInnen also hoch sein. (traumjost(at)yahoo.de)
  • Evtl. könnte, bei Leerstand des Ortes, dieser verwarlosen oder geplündert werden, was vermieden werden kann, wenn organisiert wird, dass immer Menschen da sind. Das müssten ja nicht immer die Gleichen und keine Dauerbewohner sein. roy.ly
  • Die rechtliche Organisation der Projekte ist auch eine wichtige Frage. Eigentlich reicht eine Zusage der EigentümerInnen darüber, dasz ihre Räume von NomadInnen genutzt werden können, nicht aus. Denn das bedeutete "lediglich" einen weiteren "Gast-Status", der mit rechtlichen Mitteln aufhebbar ist (s. dazu die Offene-Räume-Diskussion unter Offener Raum). (Auch wenn "wir" erst mal von gegenseitigem Wohlwollen aller Beteiligten ausgehen. ;-) (traumjost(at)yahoo.de)

Gibt es Synergieeffekte?

  • Mensch hat einen erweiterten Austausch, lernt mehr Ideen kennen, macht mehr Erfahrungen, kann sich und andere bereichern.
  • Im Netzwerk ist es leichter, überörtliche Initiativen zu starten, zur Vernetzung von Projekten beizutragen, und Fremdheit und Misstrauen abzubauen.
  • NomadInnen können bestehende Wohnprojekte bereichern, indem sie Erfahrungen und Wissen von anderen Orten mit einfliessen lassen.

Offene Fragen

  • Finanzierungsmöglichkeiten
  • Kommunikationsstrukturen

Hier endet das Interview

spätere Ergänzungen zum Interview

zu Hat die Idee einen Haken?

  • Es ist denkbar, dass es "Nomaden" gibt, welche sich nur die vorzüge der Orte zu Nutze machen und denen alles andere scheiß egal ist. Ergo vielleicht ist der Mensch ohne Verantwortung und eigene Einschränkungen nicht dazu fähig. Es ist denkbar, dass manche Leute sich einfach von einem Ort verpissen, nicht aber weil er ihn langweilt (vorgeschoben) sondern weil Arbeiten etc. anstehen. Das könnte zu einer Verwahrlosung dieser Orte führen an denen sich auch keine Nomaden mehr aufhalten wollen.
    • Ein Kommentar: Ja das ist denkbar, genauso wie es leider Tatsache ist das es in vielen Räumen, unabhängig vom Konzept des Raums" dazu kommt das sich Leute "verpissen" wenn Arbeit ansteht, und diese eher anderen überlassen, dazu muß man kein "Nomade" oder sowas sein. Die Verwahrlosung gibts dann auch so und am Ende zieht man dann halt aus, weil man die Schnauze voll davon hat (Beispiel:versüffte WG - als ein Konzept von Raum ohne "Nomaden"), und der andere Teil der WG zieht dann evtl. auch aus weil niemand mehr die Arbeit für ihn macht und so finden sich dann wohl an anderer Stelle in neuer Zusammensetzung ähnliche Konstellationen wieder.
      Mein Vorschlag wäre da eher allgemein Strategien gegen Verwahrlosung zu diskutieren, anstatt nen Stereotyp "Nomade" einzuzeichnen das dann für die Schrecken der Welt hinhält.
      Das ist übrigens ein anderer Teil der Diskussion der sich in letzter Zeit mir aufdrängt, inwiefern das Bild "Nomade" als Kategorie dafür herhält bestimmte Klischees in eine neue Schublade zu stecken, von der einige der schubladisierten nicht mal wollen das überhaupt ne Gemeinschaftsschublade für sie existiert.