Anders Leben/Essen

Aus AndersLebenWiki
Version vom 16. Februar 2006, 19:30 Uhr von Fraktal (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gesundheit Wohnen Wissen, Informationen, Kommunikation
Liebe Essen Geldlos und umsonst wirtschaften
Mobilität Selbstbestimmte Arbeit, eigene Projekte gründen,... Alltagstipps
Andere alternativökonomische Ansätze Linksammlung



folgender text kopiert von: http://www.projektwerkstatt.de/alternative/konkret_essen.html

muss noch formatiert, gefiltert werden.

Containern und Container-Kooperativen

Containern meint das Leben von den Resten des Zwischenhandels. Die Abfallcontainer der Supermärkte dokumentieren immer wieder, wie verschwenderisch ein marktförmiges Wirtschaften ist. Was aus Gründen der Preisstabilität weg muss oder nicht mehr der gewollten Optik entspricht, fliegt raus. Darunter befinden sich ständig massenhaft Lebensmittel, die gut genießbar sind - oft ist allein ihre Verpackung beschädigt oder das Verfallsdatum steht dicht bevor usw. (Foto: Ergebnis eines - guten - Container-Ausflugs rund um die Projektwerkstatt). In vielen Städten suchen deshalb Menschen auf eigene Faust oder in kleinen Gruppen die Container in Hinterhöfen und Einfahrten von Supermärkten regelmäßig durch - vor allem am Samstagabend, wenn viele Geschäfte vor dem Wochenende die Regale ausgeräumt haben. Viele finden dann mal viel von dem einen, mal viel von dem anderen Produkt (von Gemüse, Obst bis hin zu Joghurts). Für einen selbstorganisierten Alltag ist das nur begrenzt interessant, denn meist ist eher wenig, aber dafür von vielen Produkten gefragt. In Wien hat sich z.B. deshalb das "Geob", das "Gemüse- und Obstkollektiv", gegründet. Viele Menschen haben sich die Straßenzüge und Stadtteile aufgeteilt. Sie bringen ihre "Beute" dann an einem Platz zusammen - und aus dem nun sehr vielfältig zusammengesetzten Berg nehmen sich alle heraus, was sie brauchen.

Ein paar Tipps für die Praxis: Container sind - wenn überhaupt abgeschlossen - in der Regel mit billigen Schlössern gesichert, bei denen es ausreicht, einen dreikantigen Stift mit einer Zange zu bewegen, die mensch immer dabei haben sollte, ebenso wie Taschenlampe und Haushaltshandschuhe (das Wühlen kann mitunter eklig sein). Schlau ist es, den Ort ohne offensichtliche Veränderungen zu hinterlassen - ansonsten könnten sich die LadenbetreiberInnen zu mehr Sicherheitsvorkehrungen genötigt fühlen. Gute Erfahrungen gibt es mit Brotfirmen, wo teilweise mehrere Container prall gefüllt sind mit verschiedensten Brotsorten, Brötchen und Gebäck.

In Ludwigsburg reagierte eine Container-Gruppe kreativ auf Sicherheitsschlööser, indem sie ein eigenes Schloss monotierte mit dem Hinweis: "Wenn eures weg ist, nehmen wir unseres auch weg." Es hat funktioniert ...

Reste von Läden, Märkten und Großhandel schnorren

Die offene Alternative zum Containern, bei dem in Läden direkt nach Resten oder Produkten mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum ("MHD-Ware") gefragt wird. Trotz guter Erfahrungen gehört dazu natürlich Mut zum Schnorren, das in dieser Gesellschaft verpönt ist und vielen das unangenehme Gefühl vermittelt, als BittstellerIn zu agieren. Die Überwindung lohnt sich - in einigen Städten versorgen sich z.B. mehrere WGs fast nur über Reste von Markt und Bäckereien.

Für das Schnorren besonders geeignet sind kleinere Läden, Märkte und Großhandel. Bei Wochenmärkten bietet sich an, kurz vor deren Ende vorbei zu schauen. Auch bei Bäckereien oder der örtlichen Pizzeria stehen die Chancen nicht schlecht. Bio-Läden geben öfter MHD-Ware heraus (z.B. Hülsenfrüchte). Als Einstieg ist denkbar, für ein soziales Projekt (z.B. Gratis-Volxküche, Food Not Bombs) oder ein Seminar anzufragen. Beim Naturkost- oder konventionellem Großhandel gibt es am Wochenende oft Massen eines bestimmten Gemüses oder Produkts. Da dessen Ware an den Zwischenhandel weiter verkauft wird, sind Produkte auch kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatum unverkäuflich.

Immer wieder lassen sich Bio-Läden, Märkte oder Großhandel für dauerhaften Lösungen gewinnen, manchmal sind Spendenquittungen (können z.B. Vereine ausstellen) ein zusätzlicher Anreiz. Wo bereits ein gutes Verhältnis besteht, sind auch gezielte Spenden-Anfragen möglich. In manchen Städten gibt es die Tafel, welche Reste von Läden bekommt und diese an Bedürftige weiter gibt.

Auf diese Weise lässt sich ein Netz sicherer Quellen aufbauen - viele Gruppen und Leute sich zusammen tun, die dann abwechselnd die Orte besuchen oder abfahren. Wichtig ist auch hier, die Verteilung und Weiterverarbeitung zu Brotaufstrichen usw. zu organisieren, da Gemüse sonst z.B. schnell vergammelt.

Tipp: Um Insiderwissen vorzubeugen ist es schlau, Listen mit guten Orten zum Containern oder Schnorren und Erfahrungen (Was gibt es dort? Welche Mengen?) zu erstellen, die informell weiter gegeben werden. Veröffentlichung im Netz sind weniger sinnvoll, da die Quellen damit versiegen dürften, Container abgesichert werden usw.

Spendenanfragen

Naturkost-Firmen lassen sich immer wieder für kleine Spenden gewinnen - das reicht sicher nicht für den Alltag, aber ist ein willkommener "Luxus". Dafür am besten geeignet sind telefonische Anfragen, aber auch ein Massenfax an verschiedene Firmen bringt manchmal Ergebnisse ... praktisch ist, einen Bezug zu aktuellen Projekten (Sommercamp, Hoffeste, Kochkurse, Anti-Gentech-Seminar oder Genfeldbesetzung) herzustellen. Berichte entsprechender Veranstaltungen erhöhen die Chance auf nochmalige Spenden.

Zocken

Zutaten, Brotaufstriche oder teure Nahrungsmittel, die selten containert oder geschnorrt werden können, lassen sich auch auf Klaubasis organisieren. Als Ziel sollten große Ketten bevorzugt werden, denen dass eh nicht schadet (und wenn, ist das nicht tragisch). Ein, zwei Teile zu zocken ist eigentlich nicht schwer. Wichtig ist dabei, auf Kameras und Detektive zu achten. Es gibt viele Tricks, die diesen Text sprengen würden und die erfahrene ZockerInnen sicher weiter erzählen - wesentlich ist es, mit der Zeit die nötige Coolness zu entwickeln, nicht aufzufallen. Denkbar sind auch Klau-Sessions vieler Leute (senkt das persönliche Risiko), die einen längerfristigen Zusammenhang bilden - und sich gegenseitig helfen, wenn mal wer erwischt wird (z.B. über eine gemeinsame Soli-Kasse oder ähnliche Strukturen).

Sammeln

Wer aufmerksam durch die Gegend wandert, trifft in der passenden Jahreszeit auf Beeren, freistehende Pflaumenbäume, Pilze (genaue Kenntnis gefragt!) usw., die oft in großer Anzahl zu finden sind. Auch NachbarInnen oder FreundInnen mit größeren Garten freuen sich darüber, wenn Leute etwas mit den Unmengen von Äpfeln, Quitten oder anderem Obst anzufangen wissen. Praktisch ist auch hier, wenn sich KleingärtnerInnen oder SammlerInnen vernetzten und einen gemeinsamen Reichtum herstellen.

Eigenanbau

Damit gemeint ist nicht etwa die krampfige Total-Selbstversorgung gemeint, sondern der intelligente Anbau von Pflanzen im "eigenen" Garten, die hohen Ertrag mit pflegeleichtem Umgang verbinden. Dazu gehören Obstbäume aller Art, Beeren (als Grundlage für Marmeladen) oder Nüsse. Aber auch Kräuter und Gemüsebeete können eine nette Sache sein, sind aber zeitintensiver aufgrund der Notwendigkeit, sich um die Pflege und z.B. den Schutz vor Schnecken zu kümmern.

Selbermachen

Die Eigenherstellung von Marmelade, eingemachtes Obst oder Gemüse (Bohnen, Möhren, Gurken usw.) oder Brotaufstrichen lohnt sich. Wer z.B. mehrere Stiegen eines Gemüses vom Großhandel bekommen, wird schnell darauf zurück greifen, um diese haltbar zu machen. Dabei können mit relativ geringem Aufwand größeren Mengen verarbeitet werden - das ist nicht nur billiger, sondern schmeckt auch besser: Mit einer Runde von drei, vier Leuten reicht ein halber Tag, um Pflaumen, Äpfel o.ä. zu sammeln und daraus 30-40 Gläser Marmelade zu machen. Mit mehreren solcher Sessions entsteht schnell ein Reichtum an coolen Produkten für den Winter. Einkochverfahren sind sehr einfach - es gibt gute Kochbücher nur zu diesem Thema. Ähnliches gilt für die Eigenproduktion vegetarisch-veganer Brotaufstriche ... über Bücher und Internet sind viele Rezepte verfügbar. Und wer keine Lust auf containertes Brot hat, kann natürlich auch selber Brot backen, was gar nicht so schwer ist.

Brotaufstrich-Kooperation

Der Brotaufstrich steht hier als Beispiel für noch viele andere Möglichkeiten. Die dahinterstehende Idee ist, dass nicht immer alle alles in kleinen Mengen selbst besorgen oder herstellen müssen, sondern reihum immer wieder Menschen größere Mengen von etwas herstellen (was nur wenig mehr Aufwand ist als eine kleine Menge desselben) und dann an andere weitergeben - nach Möglichkeit einfach geschenkt, denn Umsonstökonomie ist die einzige Form, in der Menschen gleiche Möglichkeiten haben, also nicht mehr zählt, wie viel Geld wer hat. Variante 1: Gemeinsam herstellen. Menschen aus Marburg und Fronhausen treffen sich regelmäßig, um gemeinsam selber Brotaufstriche herzustellen. Das ist lecker, günstiger und macht Spaß. Weitere MitstreiterInnen sind auch hier erwünscht! Variante 2: Kochplan und Verschenken, d.h. es gibt einen Kalender, wer welche Woche Brotaufstriche herstellt und dann immer einige Gläser für die anderen Beteiligten zu einem verabredeten Treffpunkt mitbringt.

Food-Coops

Gemeinsam einkaufen ist sicherlich nur ein kleiner Anfang, sich den Zwängen profitorientierter Märkte zu entziehen. Weiterhin wird mit Geld bezahlt, Reichtumsunterschiede bleiben erhalten und als Quellen sind in der Regel Lebensmittelzwischenhandel oder landwirtschaftliche Betriebe im Vordergrund, die auch sonst ihre Produkte marktförmig vertreiben. Dennoch kann das gemeinsame Einkaufen einige Vorteile bringen:

  • Bezugsquellen mit Mindestabnahmen können erschlossen werden, an die Einzelpersonen nicht ohne weiteres herankommen.
  • Direktvermarktungswege zu LandwirtInnen und anderen HerstellerInnen werden erschlossen, die sich für Einzelne kaum lohnen würden. Durch das Aufteilen der anfallenden Arbeit von Abholung und Verteilung oder gar das Gewinnen der ProduzentInnen zu den sich bei Sammelabnahme dann lohnenden Auslieferungsfahrten wird der Direktbezug erst praktikabel.
  • Wenig oder nicht selbst mobile Menschen können im Rahmen von Food-Coops mitbeliefert werden.
  • Gegenüber Ladenpreisen kann einiges gespart werden.

Zudem ist es möglich, politische Öffentlichkeitsarbeit mit dem Bezug von Lebensmitteln oder auch anderen Produkten (Sammeleinkauf von Kleidung, Büromaterialien usw.) zu verbinden. Ausflüge zu Höfen, Feste und Vorträge sind ebenso sinnvoll wie Pressearbeit oder Infostände, Straßentheater und mehr.

Gemeinsamer Lebensmitteleinkauf bleibt eine Geldsache. Sie überwindet damit nicht Reichtumsunterschiede. Ökologische Lebensmittel bleiben für viele auch bei gemeinsamem Einkauf unerschwinglich. Daher sollten gerade Food-Coops überlegen, ob sie nicht einige Schritte mehr tun, um auch ein soziales Projekt zu werden, das unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten zwischen Menschen überwindet.