Konzept und Aufruf

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autoorganisation 2006 – jetzt erst recht!

kongreß- und aktionstage vom 13. bis 17.4.2006 in Berlin

im april 2004 trafen sich in berlin fast 1000 menschen aus den unterschiedlichsten selbstverwalteten linken und linksradikalen zusammenhängen zu einem gedankenaustausch und gemeinsamen aktionen. eine woche lang wurde über linke freiräume, kollektives leben, arbeiten, wohnen, politische perspektiven diskutiert. während der autoorganisation 2004 fanden etliche aktionen statt: schein- und echte hausbesetzungen, aktionen gegen das dussmann-kulturkaufhaus, reclaim the streets und eine solibesetzung in münchen. es gab jedoch auch handfeste kritik an der organisation des letzten kongresses. das ziel einer langfristigen vernetzung der projekte und weiterführender gemeinsamer arbeit wurde nicht erreicht. den aktionen folgte noch jetzt andauernde staatliche repression - die durch sie angestoßene diskussion um die berliner linie verschwand dagegen schnell wieder aus dem öffentlichen bewußtsein.

von anfang an war die autoorganisation 2004 nicht als einzelprojekt geplant. der gedanke einer regelmäßigen plattform des austauschs und gemeinsamen nischen- und grenzübergreifenden handelns erscheint allzu nötig. auch ostern 2006 soll es wieder darum gehen, gemeinsam antworten, strategien und politische handlungsfähigkeit zu entwickeln. so könnte die isolation linker, emanzipatorischer inhalte überwunden werden, indem z.b. defizite in der vermittlung miteinbezogen und mitdiskutiert werden. wir wollen daran arbeiten, kontinuierlich gemeinsam zu diskutieren, nicht mehr vereinzelt und nebeneinander, und dann offensiv weiterzugehen und unseren forderungen gehör zu verleihen. nehmen wir uns die räume, die uns gehören!


gibt es ein richtiges leben im falschen? - selbstorganisation und politische relevanz

selbstorganisation ist die grundlage unserer politischen arbeit und teil unserer täglichen lebenspraxis. in zeiten des immer stärkeren zwangs zur integration in die kapitalistische arbeitsweise erscheint es immer wichtiger, alternativen zu erarbeiten und aufrecht zu erhalten. die urbane utopie vom öffentlichen raum als ort, an dem sich unterschiedliche lebensentwürfe produktiv reiben, wird in zeiten von reglementierung und regulierung unmöglich gemacht. stattdessen sehen wir uns konfrontiert mit neuen überwachungstechniken, privatisierten räumen, innenstadtverboten für randgruppen und zumnehmender individualisierung. das streben nach scheinbaren sicherheit löst das streben nach (relativer) freiheit ab. der staat, die durchdringung des lebens durch marktwirtschaftliche aspekte und nicht zuletzt wir selbst, treiben den prozess sozialer und kultureller ausgrenzung immer weiter voran.

ein ansatz, um dem praktische alternativen und ausgangspunkte entgegenzustellen, könnten selbstbestimmte -und selbstorganisierte räume sein. sie bieten alternativen zur kommerzialisierung aller lebensbereiche und machen die möglichkeit eines anderen lebens sichtbar. sie bieten grundlegende infrastruktur von politischer arbeit und somit wichtige basis politischer kämpfe. dennoch stellt sich für uns auch immer wieder die frage nach der gesellschaftlichen relevanz unserer strukturen. in ihrer funktion als schutz- und rückzugsraum definieren sie sich von selbst als nische innerhalb der gesellschaft, wodurch ihnen eine anbindung an den gesamtgesellschaftlichen kontext fehlt. gleichzeitig ist der zugriff des kapitalisitschen wirtschaftsystems so allumfassend, dass wir uns auch in ihnen der gesellschaft nicht vollständig entziehen können. so organisieren sich selbstorganisierte strukturen als subkultur oder „szene“, als kulturell abgeschlossener zirkel, der gleichzeitg sozial und ökonomisch nicht selbstständig lebensfähig ist. scharfe trennlinien verlaufen zu anderen subkulturen ebenso wie zur „normalen“ gesellschaft. der zirkelschluss zwischen der angst vor verwässerung eigener inhalte und dem dasein in einer nische führt häufig zu handlungsunfähigkeit, altersbedingtem „ausstieg“ und künstlicher isolation.


die diskussion dieser widersprüche sollte den mittelpunkt der autoorganisation 2006 stellen, d.h. die frage nach der gesellschaftlichen verankerung und bedeutung unserer strukturen. ob und in welcher form linksradikale lebenskultur eine wirkliche alternative zur gesellschaft bieten kann/könnte. welche strategien sind möglich, um diese widersprüche zu minimieren. marginalisierung und perspektivlosigkeit entgegenarbeiten. es geht im kampf um den aufbau und erhalt selbstorganisierter projekte und strukturen darum, linksradikale politik als solche zu verteidigen, gerade angesichts einer gesellschaft, die immer unsozialer und repressiver wird.


...vieles anders und auch manches besser... - ostern 2006

wir wollen 2006 den kongress an sich zu einem experiment in autoorganisation machen. jede/r ist eingeladen und gefragt die autoorga mitzugestalten, nicht nur über den persönlichen kontakt, sondern auch und vor allem über das internet. im autoorga-wiki könnt ihr die themen und fragestellungen miteditieren und seminare, workshops, ak's oder was euch sonst noch einfällt anbieten. wir haben vier tage und viel platz für eure ideen. der kongress soll von vielfältigen artikulationen linksradikaler kultur, geselligen umtrieben und natürlich den aktionen begleitet werden. hier nun ein paar thematische vorschläge:


... denn allein machen sie dich ein! - kontinuität und vernetzung

viele selbstorganisierte projekte und strukturen kämpfen um ihr überleben. wagenplätze, hausprojekte, sozial- und kulturzentren, infoläden oder nichtkommerzielle kneipen und betriebe passen nicht so recht in die staatslogik, denn sie sind nicht auf kapitalakkumulation und kommerzialisierung ausgelegt. folgerichtig sind sie seit jahren mit einer vertreibungs- und repressionswelle konfrontiert. wir betrachten die auseinandersetzung um selbstbestimmte räume nicht als lokale konflikte, sondern als einzelne facetten einer gesamtgesellschaftlichen entwicklung. angesichts des immer stärker werdenden drucks und der destabilisierung selbstverwalteter strukturen sehen wir es als immer notwendiger, nicht nur auf lokaler ebene, sondern auch überregional zu agieren. eine arbeitsfähige vernetzung der projekte untereinander erscheint uns unerlässlich. der vernetzungsgedanke soll daher neben der kritischen selbstreflexion im vordergrund der autoorganisation 2006 stehen.


wer nicht kämpft, hat schon verloren - bestandsaufnahme

ausgehend von der frage nach der gesellschaftlichen relevanz selbstorganisierter strukturen und der situation innerhalb der radikalen linken wollen wir nach stärken und problemfeldern fragen: in wie weit sind selbstorganisierte strukturen noch wahrnehmbare orte des widerstandes? welche rolle spielen selbstorganisierte projekte für die linke und wie kann ihr rückhalt verbessert werden? wie offen sind wir und wie offen wollen wir sein? wo sehen wir anknüpfungspunkte zu anderen „szenen“ und zur gesellschaft? wie lassen sich konkret greifbare schnittstellen bilden? intern gesehen stellt sich die frage nach der eigenen politischen handlungsfähigkeit. warum ist das mobilisierungspotential selbst innerhalb der eigenen reihen so gering? warum gelingt es uns häufig nicht, aktivistenInnen langfristig in unsere strukturen einzubinden? wie können dogmatismus oder resignation überwunden werden? sehen wir noch potential für die entwicklung eigener inhalte entgegen bloßer reaktion auf angriffe und aktionen von außen?

gibt es ein leben jenseits des kapitalismus? (1) - leben

leben in selbstorganisierten strukuren ist für viele von uns bestandteil der täglichen praxis. besetzte oder ehemalig besetzte häuser, wagenburgen und hausprojekte in der ein oder anderen form sind strukturen, in denen und über die wir unseren alltag und unser soziales umfeld organisieren. gerade diese strukturen geraten jedoch zunehmend unter legalisierungsdruck. hauskampf findet heute unter veränderten bedingungen statt. viele projekte setzen ihre hoffnung für eine absicherung in den kauf des eigenen hauses. darin, politischen und öffentlichen druck aufzubauen, sehen scheinbar immer weniger projekte eine perspektive. in nicht wenigen fällen ist die legalisierung aber auch der anfang von entpolitisierung und der aufgabe egalitärer und basisdemokratischer ansprüche. viele projekte scheitern aber nicht an angriffen von außen, sondern an inneren konflikten um unterschiedliche politische zielvorstellungen, lebensperspektiven und persönlichen auseinandersetzungen. wie können wir diesen problemen begegnen? unter welchen umständen macht besetzung noch sinn? welche längerfristigen perspektiven bestehen? welche konflikte von außen gibt es und wie sehen widerstandsmöglichkeiten und auswege aus? wann kann legalisierung von vorteil sein und welche möglichkeiten bestehen? welche inneren probleme wie generationswechsel, rückzug ins private, konsumverhalten usw. gibt es und wie können wir ihnen begegnen? leben bedeutet jedoch mehr als die reine organisation des wohnumfeldes. gibt es modelle zur selbstorganisation im alter, bei krankheit und psychokrisen? wie binden wir kinder in unsere strukturen ein? wie sieht es aus mit ausbildung, schulen, übermittlung von kenntnissen? wie organisieren wir unseren alltag in einer form, die die langfristige und lustvolle politische praxis von menschen ermöglicht? - und wie organisieren wir unsere ökonomische basis, d.h. ist ein nicht/wenig geldabhängiges leben in oder am rande der arbeitsgesellschaft möglich?

gibt es ein leben jenseits des kapitalismus?(2) - arbeit?

eine beschäftigung mit dem thema arbeit kann für uns nur von einer grundsätzlichen linken arbeitskritik ausgehen. eine gesellschaft, die sich über arbeitszwang und kapitalistische auswertung der ressource mensch definiert, bietet für uns wenig anreize, sich lustvoll in arbeitsprozesse einzubringen. dennoch unterliegen wir alle wirtschaftlichen zwängen. in zeiten von hartz iv und zunehmender verunsicherung der arbeitsverhältnisse bei gleichzeitigem anstieg der lebenshaltungskosten und kriminalisierung nicht kommerzieller strukturen stellt sich für uns die frage nach der möglichkeit alternativer lebensentwürfe. selbstorganiserte strukturen sind meist ökonomisch abhängig von der substanz der orte, vom überfluss der gesellschaft oder sie werden aus kapitalistischen quellen gespeist: eltern, bafög, staatszuschüsse, maloche oder amt. solange aber für die einzelnen menschen keine perspektive besteht, das eigene überleben kollektiv zu organisieren, bleiben die zwänge des alltags ein wichtiger grund für das ständige wegetablieren der ehemals politisch aktiven.

die möglichkeiten einer diskussion reichen von positionen der absoluten verweigerung von lohnarbeit bis hin zu modellen des arbeitskampfs in betrieben. um den rahmen des themas näher abzustecken wollen, wir hier nur einige schlagworte nennen: systembetrug und erschleichen von leistungen, aneignungsdebatte, gewerkschaftsarbeit und arbeitskampf in betrieben, kollektive und selbstausbeutung, selbstorganisierte betriebe und kommerzialisierung, selbstversorgung und tauschstrukturen innerhalb der linken, finanzkoops und umsonstläden. welche kurz- oder langfristigen perspektiven sich aus einzelnen modellen eröffnen und wie wir diese wirkungsvoll für die eigenen strukturen nutzen können, soll hier die frage sein.

rebuild your media! - medien und kommunikation

die eigenen themen immer wieder in die öffentlichkeit zu bringen, ist unabdingbar für unsere politische arbeit. da öffentlichkeit jedoch über medien etabliert wird, ist eine diskussion der möglichkeiten der medienarbeit wichtig. für uns stellt sich die frage nach möglichkeiten und grenzen der nutzung von etablierten medien ebenso wie die nach dem aufbau eigener strukturen. eine wachsende zahl selbstorganisierter medienprojekte wie indymedia oder video projekte wie der europäische newsreal, freie und piratenradios und etliche unkommerzielle zeitungen und zeitschriften arbeiten daran, dem medienmainstream etwas entgegenzustellen und medien und medientechnik subversiv zu nutzen. eine vielfalt von archiven ermöglicht uns den zugriff auf und die auseinandersetzung mit der eigenen geschichte. wie binden wir diese projekte in unsere strukturen ein? wo liegen ihre perspektiven und problematiken? wie können wir uns aktiv an der gestaltung unserer eigenen medienlandschaft beteiligen? medien sind jedoch mehr als nur werkzeug zur schaffung von öffentlichkeit. sie ermöglichen ausstausch, information und kommunikation zwischen den verschiedenen projekten. wenn wir eine vernetzung der strukturen vorantreiben wollen, liegt es an uns, grundlagen und strategien zu entwickeln, diese zu ermöglichen. welche werkzeuge uns dafür zur verfügung stehen und wie wir diese nutzen können, wollen wir diskutieren.

die vermittlung von inhalten sollte eines der ziele der linksradikalen subkultur sein. warum aber rückt die vermittlung immer mehr in den hintergrund und ist in der alltagspraxis, z.b. auf einigen demos, nahzu irrelevant? welche alternativen aktionsformen, wie verstecktes theater, kommunikationsguerilla,... gibt es? wo liegen vor- und nachteile? wie können wir endlich mal den "bürgers" vermitteln, dass anarchie nicht gleich chaos ist?

widerstand hat tradition - politische organisationsformen

politische bündnisse können die eigene arbeit ungemein erleichtern. nicht nur, dass ein viel höheres mobilisierungspotential und größere außenwirkung erreicht werden kann, sie vermeiden oft auch, dass arbeit schlichtweg doppelt getan wird. viele gruppen arbeiten inhaltlich an den selben themen, sind unter umständen sogar ähnlich strukturiert - dennoch ist eher eine parallelität als eine zusammenarbeit zu erkennen. es fehlt meist der direkte austausch erarbeiteter positionen und die gegenseitige praktische unterstützung. eine möglichkeit wäre z.b. eine überregionale plattform, die einblick in die thematische arbeit linker strukturen/projekte gibt. ist dies überhaupt gewollt? es lässt sich nicht übersehen, dass eine auflösungstendenz lang bestehender bündnisse vorherrscht - neue sind nur selten entstanden und wenn, dann waren sie oft von kurzer dauer. völlig aus dem blickwinkel scheinen strategische bündnisse geraten zu sein. ist die bündnispolitik eine überholte theorie, oder ist es an der zeit, sich nach neuen formen umzusehen? welche form von bündnissen ist möglich und wann sind welche sinnvoll? wie arbeiten wir in aller unterschiedlichkeit zusammen, ohne inhalte einzelner gruppen zu verwässern? wir möchten auch noch einmal standpunkte der organisationsdebatte aufgreifen. bevorzugen wir eher lockere bündnisse, oder doch lieber feste strukturen? wo kam es dabei in der geschichte zu brüchen und was führte dazu, dass wir uns heute mit einer zersplitterten linksradikalen politiklandschaft konfrontiert sehen? wo liegen die vor- und nachteile der jeweiligen ansätze?

hier wollen wir auch die große frage nach den entscheidungsstrukturen innerhalb politischer gruppen stellen. wie ist der informationsfluss geregelt? wie wird mit hierarchien umgegangen? welche alternativen und variationen gibt es neben der "althergebrachten" plenar-struktur?


es gibt nichts gutes, außer mensch tut es - aktionen

linksradikale kultur und politk zu leben sollte mehr als nur reflexion und diskussion sein. so wichtig auch inhaltliche auseinandersetzung und austausch untereinander sind, die möglichkeit, linke kultur in konkreten aktionen auf die straße zu bringen, politische forderungen einzuklagen und sich im stadtbild bemerkbar zu machen, wollen wir uns nicht nehmen lassen. die aktionstage 2004 krankten vor allem an ihrer absplitterung vom theoretischen teil des kongresses. 2006 wollen wir daher kongress- und aktionstage nicht trennen. aktionen werden innerhalb der kongresstage laufen. sollten sich interessierte menschen finden, dann könnte es zum abschluß eine große überregionale demo geben.


autoorganisation ist, was ihr draus macht - planung

die autoorganisation 2006 wird nichts anderes sein, als das, was wir daraus machen. keine festgefügte gruppe leistet die organisation und durchführung als konsumangebot für die kongressteilnehmerInnen. wir sind also auf eure teilnahme schon im vorfeld angewiesen! wenn ihr workshops, arbeitskreise -oder gruppen, etc. anbieten wollt, wenn ihr ideen habt oder aktionen koordinieren wollt, kommt zu den vorbereitungstreffen (termine werden veröffentlicht unter http://www.stressfaktor.squat.net) oder fügt eure inhalte in die autoorga-mitmachwiki (http://www.autoorganisation.org) ein.

dies ist ein aufruf zur mitarbeit! bringt eigene inhalte ein und beteiligt euch an der vorbereitung!

runter vom sofa – es gibt viel zu tun...


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