Anders Leben/Anders wirtschaften/Ablaufplan Schnorren

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Schnorren - Ein Leitfaden


Schritte des Schnorrens

  • Erstmal klären, was überhaupt gebraucht wird (eventuell auch, was als Ersatz dienen könnte)
  • Überlegen, woher es kommen könnte und recherchieren, wo die Adresse herkommt
  • Die regionalen Gelben Seiten sowie für Ökoadressen das Alternative Branchenbuch (Altop-Verlag) und die dazugehörige Internetadresse www.eco-address.de) und das Grüne Branchenbuch (jeweils pro Bundesland, Verlag Das Grüne Branchenbuch). gehören zur Grundausstattung, ein Besuch beim Fachhändler verschafft nötige Kataloge, Fachleute können Auskunft geben über spezielle Herstellerbetriebe.

Bei allen Anfragen gilt: Möglichst jeden Schritt der Absprachen schriftlich festhalten. Kontaktpersonen, Durchwahl, direktes Fax und Email, Erreichbarkeitszeiten, Stand der Dinge, Termine und wann wieder nachgefragt werden kann.

  • evtl. kreative Anfrage ausdenken (kreative Begründung)


Die beste Reihenfolge

  • Anrufen, ganz kurz das Projekt (muss ja nicht ganz der Wahrheit ensprechen) und die Bitte vorstellen. Bei größeren Firmen, wo zunächst die Telefonzentrale rangeht, ist dies auch sinnvoll, um richtig weiterverbunden zu werden. Wer schon weiß, in welcher Abteilung die Anfrage landen soll, kann sie sofort verlangen. Verbinden kostet oft Zeit, Einheiten und vielfaches Erklären, bis mensch die Richtigen erreicht
  • wichtig: deutlich sprechen, seriös wirken
  • gleich versuchen, relevante Personen zu erreichen (Chef, Management, ...)
  • Namen und Durchwahl des/der GesprächspartnerIn geben lassen
  • Wenn die Spur einer Chance auf Erfolg besteht, weitere schriftliche Infos ankündigen (eine Projektvorstellung sowie eine präzise Beschreibung des Wunsches)
  • Brief oder Fax zu Händen der Kontaktperson schnellstmöglich auf den Weg geben (damit nichts in Vergessenheit gerät)
  • Ein bis zwei Tage, nachdem der Brief angekommen sein muß, wieder anrufen und kreativ-freundlich nachfragen.
  • Selten gibt es sofort ein klares "Ja" oder "Nein". Aus einmal Nachhaken können viele Male werden. Aber das ist wichtig: Es kann das konsequente Wieder-Melden sein, wofür es schließlich die Belohnung gibt (und wenn das Opfer auch nur die Nachfragerei endlich lossein will). Wichtiger aber ist der kreative Dialog, der nicht nur vielfältige Möglichkeiten der Einigung schafft, sondern auch Erinnerung beim Angerufenen erreicht – ein wichtiger Vorteil beim nächsten Anruf!
  • nach Möglichkeit bei einem Anruf neue Vereinbarungen mit der angerufenen Person eingehen

alternative Möglichkeit

  • anrufen, Faxnr. des Chefs erfragen, Fax schicken, 2-3 Stunden später wieder anrufen


Tipps und Tricks

Ein Fax ist ein Mittelding zwischen Brief und Anruf, auch hier gilt: Vorher persönlich melden, Schriftstück ankündigen und direkt addressieren. Vorteil, wenn es schnell geht: Telefonat ist noch frisch in Erinnerung beim Angeschriebenen/Angefaxten. Wichtig: Nicht darauf einlassen, daß die Angesprochenen zurückrufen ("Wir melden uns dann" ist oft genug ein "Nein" durch Aussitzen). Statt dessen selber wieder anrufen. Wenn die anderen sich melden wollten, erspart eine Ausrede Peinlichkeiten und den Eindruck zu großer Aufdringlichkeit: "Ich war in den letzten Tagen schwer zu erreichen, vielleicht haben Sie es ja bereits versucht ..." Bei kleineren Betrieben in erreichbarer Nähe kann es besser sein, einfach vorbeizugehen. Firmen, die "warmgehalten" werden sollen, weil sie vielleicht nochmal als UnterstützerInnen in Frage kommen, könnten nach erfolgter Spende bei Gelegenheit einen Bericht, was gerade so läuft, erhalten (UnterstützerInnen-Infobrief zum Projektabschluß, Jahresende o.ä.)

. Brief/Fax: Was muss rein?

  • eigene Initiative (z.B. Seminar,...)
  • wie profitiert der Partner/in davon (siehe unten, warum funktioniert es?)
  • kontaktmöglichkeiten
  • konkrete Anfrage: erwarte Rückruf, melde mich wieder, ...


Anlässe zum Schnorren

  • Seminare, Kongresse (z.B. JUKSS, Camps)
  • Jugend-Projekt (Graffity-Projekt -> Spraydosen)
  • Volxküchen
  • Neueröffnung von Zentren, offenen Büros etc.


Wege der Kontaktaufnahme

a. Ausnahmen: Gleich per Brief, Fax oder Mail Nur weniges ist ohne vorherige direkte Kontaktaufnahme, also gleich per Mail, Brief oder Fax sinnvoll. Dazu gehören Standardanfragen wie „Wir wollen ein Seminar gegen Gentechnik durchführen und würden uns freuen, wenn Sie das mit einigen Proben ihrer gentechnikfreien Brotaufstriche unterstützen könnten“. Solche oder ähnliche Standardfälle klappen meist recht unkompliziert. Das hat guten Grund, denn die Firmen wollen in der Regel bei so etwas mit ihren Produkten als Alternative vertreten sein und/oder unterstützen auch die politische Zielrichtung, denn von gesellschaftlichen Veränderungen in die entsprechende Richtung profitieren sie wirtschaftlich. Daher ist es auch nur fair, wenn sie Aktionen, Seminare usw. unterstützen, die ihnen Vorteile bringen:

Solarfirmen für Solar-Veranstaltungen/-Aktionen

  • Bio-Nahrungsmittelhersteller, Großhändler oder Läden für Seminare zu Bio-Landbau, Gentechnik usw., Aktionen bis hin zu besetzten Genfeldern
  • Farbenhersteller zu Aktionen oder Seminaren für Baubiologie
  • Büromaterial-/Papierwarenhersteller für Aktionen pro umweltbewußter Alltag, Aktionen an Schulen usw.
  • Verlage und Versände zu passenden Ausstellungen, Festen usw., wo deren Produkte (z.B. Bücher) als Kennenlernexemplare (z.B. zusammen mit Werbeflyern des Verlags) ausliegen.

Da der Bezug der Sachspende zur Aktion sehr direkt ist, kann hier auch ausnahmsweise mal eine schriftliche Anfrage zum Erfolg führen. Ansonsten ist davon abzuraten. Was zählt, ist der direkte Kontakt und die Kreativität der Gesprächsführung. Auch ausreichend ist der Brief für Rezensionsexemplare von Büchern, CDs und Software.

Der Vorschlag besteht aus der Überlegung, welche Quelle (Firma, Schrottplatz, PrivatbesitzerIn u.ä.) ich angehe, wie in das Gespräch anfange, welche Vorschläge und Begründungen ich bringe, ob ich nur eine Spende will, eine Gegenleistung anbiete, mit der oder einem besonderen „Deal“ überzeugen will usw.


Die Quellen

Für AnfängerInnen mag es schwerfallen, sich zu überlegen, wo diese oder jene notwendigen Dinge herzubekommen sind. Wichtig ist, genau zu überlegen, welche Materialien wo anfallen – und dort zum einen zu bekommen sind und zum anderen keinen oder einen geringen „Wert“ mehr haben für diejenigen, die mit ihnen umgehen. Einen kleinen Eindruck zur Orientierung kann folgende Liste geben.


Übersicht

  • Neue technische Geräte, Büromaterial: Sie sind nur selten „wertlos“ bzw. werden, wenn nicht mehr ganz das aktuelle Modell, verschrottet oder umgebaut, um den Markt für das jeweils Neueste freizuhalten. Am ehesten wären die Herstellerfirmen eine Quelle für Geräte als Spende oder z.B. schadhafte, veraltete, Rücknahme- oder Vorführgeräte)
  • Altgeräte: HändlerInnen, die Geräte zurücknehmen. Privathaushalte. Dienstleistung, Firmen, Behörden usw., die ihr technisches Equipment erneuern und das alte rauswerfen, Recyclingfirmen oder Arbeitslosen-/Jugendwerkstätten.
  • Baumaterial, Fenster, Türen usw.: HandwerkerInnen und Kleinfirmen
  • Bücher, CDs, Software: Verlage usw. als Rezensionsexemplar (muß dann in einer Zeitung, im Radio oder im Internet vorgestellt werden – wer kein eigenes Medium hat, kann mit einer Zeitung kooperieren)
  • Gebrauchte Möbel, Büromaschinen, Aktenordner: Banken, Ämter und Versicherungen, wenn die ihren Bestand erneuern (haben oft Lager an Altmöbeln und –geräten in Kellern, Garagen u.ä. und sind froh, wenn dann doch wegkommt). Sperrmüll und Kleinanzeigen. Privathaushalte.
  • Nebenprodukte, Verpackungen, Reste: Überall möglich, je nachdem, was gesucht wird

Dienstleistungen, z.B. von Copyshops, Versicherungsagenturen: Aufgrund der oft großen Gewinnspannen bzw. Personalkosteneinsatz bei geringem materiellen Einsatz haben diese Firmen wenig Fixkosten. Das bietet bessere Chancen, mit einer Spendenbescheinigung zu überzeugen – und so z.B. einen Copyscheck, eine Versicherung u.ä. zu erhalten.


Warum spendet wer?

Ein paar nützliche Erkenntnisse über die jeweiligen AnsprechpartnerInnen ...


EinzelhändlerInnen:
  • Sie sind vor allem eine Quelle für Kleinmengen. Anfragen wegen Werkzeugen, Bastelmaterial, allgemeinem Bürokrams und ähnlichem bis zum Wert von ca. 20 Euro sind oft schnell und unbürokratisch erfolgreich.
  • Sinnvoll ist ein konkreter Anlaß für die Anfrage: z.B. ein Kinderfest, eine Ausstellung, eine Einweihung einer Projektwerkstatt oder eines Umweltzentrums...
  • EinzelhändlerInnen sind auch als PartnerInnen interessant, wenn Geld für einen Einkauf vorhanden ist. Oft sind Rabatte zu vereinbaren. Wenn der Einkauf im Rahmen eines Finanzzuschusses läuft: Rabatt vereinbaren, Rechnung über Normalpreis ausstellen lassen und bezahlen, Preisnachlaß zurückspenden lassen.


HerstellerInnen:
  • Hier ist auch über teurere Geräte zu verhandeln. Wenn es mit der reinen Spende nicht klappt, lässt sich bei wichtigen Dingen über Preisnachlässe sprechen.
  • Bei überregional arbeitenden Firmen lohnt es, vor der Kontaktaufnahme herauszufinden, wer die Produkte in der Nähe vertreibt (gelingt dies nicht vor dem ersten Anruf, einfach forsch danach fragen). Häufig geben HerstellerInnen statt direkter Lieferung an ihre Vertriebsstellen weiter, daß die Umweltgruppe XY die das Produkt Z kostenlos oder ermäßigt erhält. Die HerstellerInnen übernehmen (teilweise oder vollständig) den Verlust für die HändlerInnen.
  • Elektrowerkzeuge, Büromaschinen und viele Dinge mehr sind auch als Vorführgeräte im Umlauf. Nach einiger Zeit im Schaufenster bzw. im Einsatz vor den Augen potentieller KundInnen gehen die guten Stücke zurück an die HerstellerInnen. Gezielt danach zu fragen kann genauso gut sein, wie sich nach fehlfarbenen oder leicht beschädigten Geräten zu erkundigen.
  • Zunehmend gibt es Rücknahmegeräte, d.h. die KäuferInnen bekommen Rabatte, wenn sie ihr altes Gerät zurückgeben (in Zahlung geben, wie schon länger bei Autos üblich). Diese Geräte sind für die HändlerInnen oder HerstellerInnen oft wenig wert – eine Spendenbescheinigung oder auch nur der Platz im Lager können schon reichen, sie für eine Spende zu gewinnen.


HandwerkerInnen:

Sie stellen aus "Rohstoffen" neue Dinge her. Es ist möglich, daß sie ihre Arbeitszeit für eine gute Sache einbringen und nur Materialkosten in Rechnung stellen. Oder sie lassen sogar das. In Kellern, Garagen u.ä. von Handwerksbetrieben lagern meist Reste (Installationskram für Elektro, Sanitär usw., Farben oder Tapeten), Altgeräte oder Fehlbauten (z.B. vermessene Möbel, Fenster, Türen usw.), deren Existenz sie manchmal gar nicht mehr kennen und deshalb schnell verschenken. Außerdem können HandwerkerInnen wichtig sein, um deren Know-How zu nutzen. Statt selbst zu helfen, können sie bei Fragen beraten, mal vor Ort vorbeikommen und Tipps geben – und oft ist möglich, mal einen Tag dort zuzugucken, um einfache Dinge zu lernen. Auch das ist eine wichtige Hilfe!


Banken, Versicherungen und Co.:

Vor allem wegen ihres Drangs von Bankfilialen, Versicherungsbüros und anderen, immer modern und neu zu wirken, sich vorbildlich ihren KundInnen präsentieren wollen, mustern sie Mobiliar, das gerade beginnt, nicht mehr wie neu auszusehen, schnell aus. So sind sie eine wahre Goldgrube bei der Suche nach alten Möbeln und ausrangierten Büromaschinen (Kassen, Kopierer, Computer). Auf eine freundliche Anfrage öffnen oft geduldige Hausmeister (oder weniger geduldige, dann ist mehr Verhandlungsgeschick gefragt!) die Keller. Schreib- und Rechenmaschinen, Schreibtische, Regale, Schränke, Tische, Stühle, Aktenordner, Hängeregistraturen... warten dort auf einen neuen Einsatz.


Ämter/Behörden, Rathäuser usw.:

Bestimmte richtig „schöne“ Möbel (wie alte Aktenschränke mit Holzrolläden) schmoren nur noch in den Behörden, denn dort wird viel seltener modernisiert (BeamtInnen-Tragheit, fehlendes Geld ... außer für die Chefzimmer und Emfangssuiten). Dort HausmeisterInnen u.ä. zu fragen, kann in Keller oder Garagen mit Beständen, die sonst nirgends mehr zu bekommen sind.


Verlage:

Für Verlage ist es die Haupt-Werbestrategie: Von jedem neuen Buch gehen Dutzende bis Hunderte an die Presse, die das Werk besprechen und vorstellen („rezensieren“) soll. Gruppen, die eine Zeitung herausgeben oder mit einer zusammenarbeiten, können so mit geringen Ausgaben für Porto eine ganze Bibliothek aufbauen. Teilweise klappt das auch mit Internetseiten.

  • Mit der Bitte um Rezensionsexemplare (beim ersten Kontakt sollte eine Zeitung mitgeschickt werden) kommen auch teure Werke schnell und umsonst ins Haus.
  • Dasselbe gilt auch für Software und CDs.
  • Neben Rezensionen können Bücher und CDs auch für Ausstellungen (als Ansichtsexemplar, z.B. mit Werbezetteln des Verlags dabei) oder Schaufensterdekorationen angefordert werden.

Am einfachsten sind die Sachen, die thematisch und von der Zielgruppe her passen – also Musik-CDs für Kultur-/Musikzeitschriften oder solche mit Kulturveranstaltungs-Kalender, Software passend zum Thema oder eben Bücher (Umweltbücher für Umweltzeitungen usw.). Aber auch bei anderen Themen kann oft jede Besonderheit ausgenutzt werden – z.B. einen Artikel über Internetangebote im Umweltschutz verbunden mit Ökologie-Datenbanken und Internet-Software, ein Text über Datensicherheit im Netz verbunden mit Büchern und Software zu diesem Thema. Phantasie und dann die geeignete Vorstellung in der Zeitung sind gefragt. Mit dem Belegexemplar können gut weitere Werke angefordert werden – das geht oft besonders einfach, weil ja der „Beweis“ erbracht ist, daß auch Rezensionen erfolgen. Gebraucht“waren“handel aller Art Der Flohmarkt ist ein bekannter Weg, an Gebrauchtes aller Art heranzukommen. Bekannt sind zudem die Kleinzeigen in der Zeitung – in größeren Städten gibt es meist sogar Zeitungen ausschließlich für diesen Zweck („Such&Find“ oder ähnliche Namen). Aber es gibt noch mehr ...


Andere
  • Internet: Seitenweise sind Kleinanzeigen-Homepages zu finden bis hin zu Geschenk-Foren (z.B. www.alles-umsonst.de). Weit verbreiteter ist das Versteigern gebrauchter Sachen. Da geht es Zack auf Zack, Unmengen technischer Geräte, Möbel und alles weitere sind zu bekommen (das bekannteste Forum für Versteigerungen ist www.ebay.de, aber es gibt noch einige mehr).
  • FlohmarktbeschickerInnen: Einige Menschen leben davon, auf Flohmärkten zu stehen. Sie haben Garagen, Keller usw. voller Kram. Wo sie wohnen, ist am besten bei einem Besuch des Flohmarktes in der Region herauszufinden. Ein direkter Kontakt ist Gold wert – vor allem wenn die Flohmarkt-Menschen als UnterstützerInnen für ein kulturelles, soziales oder politisches Projekt gewonnen werden können.
  • Geschenkmärkte: Sehr selten, aber es gibt sie – Läden, in denen alle ihre nicht mehr genutzten Kleider, Geräte, Möbel usw. hinbringen und andere sie dort abholen können. Und wo es sie nicht gibt: Einfach selbst einrichten, dann ist es besonders bequem, es auch intensiv zu nutzen. Die Projektwerkstatt in Saasen (www.projektwerkstatt.de/saasen) hat einen politischen Geschenke“markt“ eingerichtet. Hier werden Geräte, Zelte und alles, was für politische Arbeit sinnvoll ist, gesammelt (wer was loswerden will – hier kann es noch einen wichtigen Sinn machen!) und kann von politischen Gruppen abgeholt werden. Mehr unter www.projektwerkstatt.de/ladenschluss.
  • Jugendwerkstätten, Arbeitslosenprojekte usw.: In den meisten Städten bzw. Landkreisen gibt es Einrichtungen, in denen Langzeitarbeitslose und jugendliche Arbeitslose beschäftigt sind. Sie agieren in einer Grauzone zwischen Gemeinnützigkeit und Marktwirtschaft. Eine Spezialität ist der Recyclingbereich z.B. von Elektrogeräten und Möbeln. Oft sind dort gute Sachen für wenig Geld zubekommen. Ähnliches gilt für Behindertenwerkstätten. Zumindest ist dort das ausgegebene Geld nicht komplett in den Profit geflossen – auch schon was ...
  • Insgesamt sind technische Geräte das meistgesuchte in politischen Gruppen (Computerdesign, Spendenmailings & Hochglanz sind „in“, kreative Aktionen, für die mensch eher Theaterutensilien, Lock-ons, Farbe oder Megaphone bräuchte, eher „out“). Leider sind sie auch am schwersten zubekommen – wahrscheinlich weil die Herstellerfirmen Altgeräte schnell verschwinden lassen, um mit ihren neuen Geräten an die KundInnen zu kommen. Millionen nichtverkaufter Computer, Telefone, Faxgeräte usw. der jeweils zweineuesten Generation verschwinden irgendwo. Filialbetriebe dominieren den Verkauf, dort sind aber schwer kompetente AnsprechpartnerInnen zu finden. Daher muß hier besonders intensiv nachgedacht werden, wo Geräte anfallen können: Computer z.B. in Banken und Versicherungen (wenn dort neue Ausstattungen angeschafft werden), Kopierer in Copyshops (weil dort neue Kopierer schnell gekauft werden, wenn sie ein bißchen leistungsfähiger sind, preiswerter Kopieren usw.) oder den Leasingfirmen, die sie bereitstellen.

Reste und Abfälle: In der bestehenden Profitgesellschaft fallen täglich gigantische Mengen von Zeug an, was noch brauchbar ist, aber weggeworfen wird. Als Rest und Altmaterialien sind hier nicht oder wenig benutzte Materialien gemeint, die aus Rationalisierungsgründen (eigene Arbeitszeit ist teurer als unter Ausbeutungsbedingungen hergestellte Waren) weggeworfen werden. Beispiel: Wo eine neue Elektrik verlegt wird, sind meist gleich aussehende Schalter- und Steckdosendesigns gefragt. Der Elektrobetrieb, der die liefert und einbaut, bestellt eine aufgerundete Stückzahl (kann ja mal was verloren- oder kaputtgehen). Nach dem Einbau sind z.B. 7 Schalter und 3 Steckdosen übrig. Da beim nächsten Objekt ein anderes Design gewünscht ist (z.B. andere Farbe der Schalter), sind diese übriggebliebenen Teile wertlos. Früher oder später landen sie im Müll. Oder eben bei der politischen Gruppe, in der WG u.ä., die sich drum kümmert. Die wichtigste Frage ist, herauszufinden, wo was anfallen könnte. An welcher Stelle werden Materialien weggeworfen – ist es im Betrieb, auf der Baustelle, bei einer Entsorgungsfirma, beim Zwischenhändler, im Lager, beim Spediteur oder im Laden? Das ist von Produkt zu Produkt verschieden. Der Ort muß gefunden werden, wo etwas schon zu Müll deklariert ist (also keinen „Wert“ mehr hat – oft sogar die BesitzerInnen froh sind, es kostenfrei loszuwerden), aber noch nicht kaputt. Dieser Moment ist sehr kurz, denn in der kapitalistischen Profitlogik ist Müll nur ein Kostenfaktor, Lagerplatz kostet Miete usw.


Warum funktioniert es?

Was versprechen sich die SpenderInnen oder UnterstützerInnen? Das kann sehr unterschiedlich sein ...


Spenden

Kleine Sachspenden gehören zum guten Ton. Für gemeinnützige Zwecke, normalerweise Kindergärten, Feuerwehr, Rotes Kreuz hat jede Firma was auf Lager. Die Umweltaktiven machen sich mit einer Anfrage präsent und werden dann auch berücksichtigt. Auch HerstellerInnen haben meist einen solchen Bestand. Selbst größere Spenden gibt es oft ohne Gegenleistung. Einen Werbeeffekt durch die Spende sehen viele Geschäftsleute gern. "Wir wollen gerne unser Büro mit umweltfreundlichen Gegenständen ausstatten, wir haben da auch immer interessierten Publikumsverkehr" kann ebenso die Eintrittskarte ins Spendengespräch sein wie die Zusage, daß bei der Präsentation des Projektes die Presse auf die Unterstützung durch ... hingewiesen wird. Solche Zusagen aber nur dann machen, wenn es auch politisch und moralisch richtig erscheint, eine solche kleine Werbung für dieses Unternehmen zu machen. Bei der Zusammenarbeit mit HandwerkerInnen spielt oft die persönliche Sympathie die größte Rolle. SpenderInnen profitieren gerne von ihrem Entgegenkommen. Eine harmlose Variante ist die Spendenquittung. Dann können sie ihre Spende beim Finanzamt steuermindernd geltend machen.

Hinweis: Das Finanzamt bemängelt: Überhöhte Spendenquittungen und ebay

Spende gegen Werbung

Eine weitere Möglichkeit ist ein Sponsoring. Dabei wirbt die Firma mit ihrer Förderung des tollen Umweltprojektes. Sie kann das selber machen (in Presseinfos, auf ihren Produkten, in ihrem Geschäftsbericht) und/oder das Projekt nennt die Firma bei eigenen Veröffentlichungen, bringt den Namen (oder die Namen, mehrere können es auch sein) bei einer Präsentation irgendwie rüber. Jedoch: Vorsicht ist geboten. Der Sponsoringbereich ist in den letzten Jahren sehr groß geworden. Werbung für Konzerne kann politisch schnell fragwürdig sein – und wer seinen Etat davon abhängig macht, ist nicht mehr frei in den politischen Entscheidungen. Bei den großen NGOs ist das überall inzwischen der Fall! Sachspende öffentlich sichtbar: Wer einen Raum, ein Haus, ein Cafe, ein Infomobil oder etwas anderes, was öffentlich zugänglich bzw. sichtbar ist, schaffen oder ausstatten will, hat noch eine zweite Möglichkeit. Das Material kann am Ort für sich selbst werben. Bücher, Gruppenmaterial, Möbel, Solaranlagen und andere Umwelttechnik ... das und noch viel mehr kann so von Firmen kommen, die dann eine Werbung vor Ort haben. Das gilt natürlich nur für Material, daß politisch auch akzeptabel ist. Spenden von Geräten oder Baumaterial können an Ort und Stelle mit Werbung verbunden sein (dieses ... kommt von ...). So ist z.B. die Projektwerkstatt in Saasen gänzlich ohne Bankkredite, Abhängigkeiten und dauerhafte Zuschüsse von Papi Staat aufgebaut worden u.a. mit etlichen Materialien von baubiologischen Firmen, Solarbetrieben usw., deren Materialien jetzt im Haus zu finden und gekennzeichnet sind. Ein Öko-Lehrpfad durchs Haus zeigt, was zu finden ist. In der Bibliothek stehen Hintergrundmaterialien zu allen eingebauten Stoffen – und Herkunftsadressen. Für Autos gibt es bereits bewährte Logik ... und sogar Firmen, die das professionell anbieten. Kleinbusse werden rundherum mit Werbung für verschiedene Firmen beklebt oder lackiert. So finanziert sich das Fahrzeug. Wer eine Zeitung hat, kann einfach Material gegen Anzeige tauschen. Oder, das geht dann auch bei Radiobeiträgen u.ä., die Materialien dann vorstellen – also wie ein Warentest. Das klappt sehr gut. Freianzeigen gegen Büromaterial, Bücher, Reparaturen etc!


Gegenleistungen, Tauschen und „Deals“

Statt einer direkten Kopplung (Material gegen Werbung für diese Materials können Tausch und Deals auch komplexer sein. Wer etwas haben will, kann z.B. eigene Möglichkeiten anbieten – ein Tausch sieht dann variantenreicher aus und muß vor allem nicht zum gleichen Zeitpunkt erfolgen.

Veranstaltungsräume, die SpenderInnen kostenlos offenstehen Nutzung von Einrichtungen, Ausleihen von Materialien an die SpenderInnen Mithilfe in Firmen (z.B. mal Helfen in einer Solarfirma gegen Montage einer Solaranlage auf dem eigenen Projekt oder Layouthilfe bei deren Öffentlichkeitsarbeit) Tauschen ganz unterschiedlicher Sachen – Materialien gegen etwas, was bei den AkteurInnen in der politischen Gruppe übrig ist Auslagen bei Ausstellungen – auch das wäre eine Gegenleistung, die keine zusätzlichen Aktivitäten erfordert. Solcher Tausch ist zwar variantenreicher als direktes Aufrechnen, aber denkbar sind auch noch verschlungenere Wege. Sie seien „Deals“ genannt, weil ein treffendes Wort dafür fehlt. Hier sind auch keine konkreten Tipps zu geben, sondern nur das Plädoyer, bei allen Gesprächen kreativ und spitzfindig zu sein, was Chancen angeht. Beispiele aus der Projektwerkstatt in Saasen für solche „Deals“ (dieses Haus ist ohnehin gutes Anschauungsmaterial, was alles möglich – fast jedes Bau- und Ausstattungsteile hat eine eigene Story ...): Die Regelungselektronik für die Solar- und Holzgebläsekessel-Heizung kam von einer Firma, mit der zusammen ein System für Tagungshäuser entwickelt wurde, daß dann später von der Firma auch weiter verwendet werden kann. Die Solar-Warmwasseranlage gab es, weil auf dem Aktionsmobil immer eine Solarstromanlage zu sehen war und an jedem Standort eine erhebliche Werbung erfolgte einfach durch den Einsatz (schon mal einen Bandauftritt mit Solarstrom auf einem Schulhof abgezogen – und keinE SchülerIn konnte heimlich den Stecker ziehen???). Eine Erweiterung gab später gegen Tausch mit Anzeigen in der im Haus gemachten Zeitung. Während des Versuch, ein größeres Ökohofprojekt in der Nähe umzusetzen (gegen den geplanten Golfplatz, der aber wegen massiver Unterstützung der rotgrünen Kommunal- und Landesregierung siegte), brachten die beteiligten Biolandwirte immer wieder Nahrungsmittel vorbei, um die Arbeit zu unterstützen.