VivirBien

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Was ist Vivir Bien ?

Vivir Bien erfasst Initiativen und Strukturen, die abseits kapitalistischer Gewinnlogik existieren. Solche Initiativen und Strukturen nennen wir allgemein „Ressourcen“. Der Rahmen soll hier möglichst breit gefasst sein. Aktivitäten mit verschiedenen theoretischen Hintergründen und Labels bekommen eine Plattform. Zwei Ansätze stehen im Zentrum von Vivir Bien: Solidarische Ökonomien und Commons.

Solidarische Ökonomien zeichnen sich durch Selbstverwaltung (ohne Top-Down-Management), gleichberechtigte Kooperation (ohne autoritäre Hierarchien) und Bedarfsorientierung (im Gegensatz zu Profitorientierung) aus. Sie tragen im Idealfall zum Lebensunterhalt der Beteiligten bei.
Solidarische Ökonomien umfassen selbstverwaltete Unternehmen, Non-Profit-Unternehmen, Umsonstökonomien und Verbände oder Initiativen, die solche Ansätze unterstützen. Social Entrepreneurship und Soziale Ökonomie stehen zwischen Solidarischen Ökonomien im engeren Sinn und der konventionellen Ökonomie.

Commons sind Gemeingüter und -dienste. Sie sind im Besitz einer Gemeinschaft von Nutzer_innen, die sie aufbauen und gegen Über- oder Unternutzung etwa durch Privatisierung oder Machtmissbrauch schützen. Commons beziehnen sich immer auf Ressourcen, auf die mehrere oder alle Menschen einer community gleiche Ansprüche haben. Beispiele sind digital commons (z.B. freie Software, Wissen) und natural commons (z.B. Land, Wasser). Auch gemeinschaftlich verwaltete Produktionsmittel Solidarischer Ökonomien gehören dazu.

Das Ziel der Erfassung Solidarischer Ökonomien und Commons liegt in der Sichtbarmachung der „geheimen Ökonomien“. Sie sind Ansätze nicht-kapitalistischer Lebens- und Produktionsweisen im und zugleich jenseits des Kapitalismus. Um aus solchen Ansätze auch eine Alternative zu gewinnen, müssen Solidarische Ökonomien und Commons jedoch stoffliche Vernetzungen entwickeln: sie brauchen eine Bezugnahme auf lokal verfügbare Ressourcen UND wechselseitige Kooperation. Dazu muss der Markt radikal umgestaltet oder ganz überwunden werden, ohne auf staatliche Planung zurückzugreifen.

Es ist darüberhinaus möglich, Projekte konventioneller Ökonomie zu mappen – entweder, weil sie emanzipatorische Aspekte aufweisen (z.B. Feminismus), in solidarischer Ökonomie produzierte Produkte vertreiben oder als Negativbeispiele für problematische Entwicklungen gelten können (z.B. Privatisierung des öffentlichen Raumes). Weiters kann es interessant sein, Bedrohungen von Ressourcen, die abseits kapitalistischer Gewinnlogik existieren, zu erfassen (z.B. Überwachungskameras).

Eine solche Breite erfordert einen entsprechend flexiblen Ansatz für die Erfassung der Informationen. Anstatt Projekte in vorgegebene Schemata zu pressen verfolgt Vivir Bien einen komplett offenen Ansatz. Inspiriert von Arbeitsweise des OpenStreetMap-Projekts versuchen wir das Schema, wonach Ressourcen gemappt werden, in einem offenen, parallel zum Mapping verlaufenden Prozess zu entwickeln.

Die Basis dafür ist denkbar einfach: Jede Ressource bekommt einen Namen, und eine Liste von "Key=Value" Paaren - sogenannten Tags. Diese Tags sind völlig frei zu vergeben, ein paar Beispiele wären:

   * adresse=Leebgasse 2, Wien
   * theoretischer_background=feminismus,wertkritik
   * interessiert_mich=ja
   * location=48.197649,16.322294

Im Lauf der Zeit werden sich bestimmte Konventionen, wie man welche Tags verwendet, herausbilden. Anhand dieser einheitlich verwendeten Tags kann der Computer dann z.B. Listen oder Karten erstellen. Es wird aber immer noch möglich sein, eigene Tags zu verwenden oder neue zu erfinden.

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