TS für Neulinge
Dieses ist ein Text für Leute, die sich noch nicht länger mit der TS und den damit verbundenen politischen Themen auseinandergesetzt haben. Er ist ne Basis zum weiterfragen/weiterlesen und soll einfachverständlich geschrieben sein. Die TS soll ein Ort sein, der anders ist als die "normalen" Orte. ein Ort an dem Unterdrückungsstrukturen hinterfragt werden und weitesgehend ohne der kapitalistischen Verwertungslogik agiert wird. "Normale" Projekte gibts genug. Auch Täuschland ist voll mit netten WG´s, Kommunen und anderen Projekten, die auf Privatlogik und Familienstrukturen (und anderem Mist) aufbauen. Grob lässt sich die Idee der TS als hierarchiefrei umschreiben. Perfekt ist da erstmal nix, sind wir doch voll mit Sozialisationen der unterschiedlichsten Art die uns das Leben schwer machen und anderen Krams. Trotzdem kanns ja versucht werden.Die TS ist zurzeit (Anfang 09) in jedweder Hinsicht ne Großbaustelle in der auf sehr einfachen Level , abseits von Vermarktungsstrukturen und wertedenken, versucht wird unterschiedliche Träume umzusetzen. Der Einfachheit halber ist der Text in verschiedene Themen untergliedert, in denen kurz dargestellt wird, was da so die wichtigsten Punkte sind. Da hat jede_r andere Prioritäten, von daher ist die Reihenfolge nicht als Werteskala aufzufassen. Überhaupt: Nen Konsens gibts dazu erstma nicht. es sind die Bedürfniss einzelner so zu handeln und als solches auch klare Grenzsetzungen und Verhandlungsgrundlagen.
Inhaltsverzeichnis |
Familienstrukturen
Die meisten jungen Menschen wachsen heute in Familienstrukturen auf. Sie leben die ersten oft 18 Jahre ihres Lebens zusammen mit ihren Eltern oder einem Elternteil oder Personen, welche die Elternrolle übernommen haben, (und evtl. Geschwistern) in einem Haushalt. Es ist ganz normal, dass Menschen in Familienstrukturen aufwachsen und meist irgendwann selbst welche reproduzieren. Aber warum ist das so und wird scheinbar nicht hinterfragt? Es ist ein Unterdrückungsverhältnis das "Erwachsene" für sich normalerweise ablehnen würden das aber aufgrund des Alters der Betroffenen selbstverständlich scheint .Die NORMalität im Zusammenleben von jungen und älteren Menschen ist die einer Zwangsehe zwischen als Kinder empfundenen jungen Menschen und denen,die die Elternrolle einnehmen.Die Eltern wissen was gut für "ihre Kinder"ist und sind die nicht abwählbaren Hauptbezugspersonen.Ein Umstand der als Alltagsgrundlage von "Volljährigen"häufig als undenkbar empfunden wird.Würdest du es als angenehm empfinden,wenn dir irgendwer vorschreibt wann du dich wo wielange mit wem aufhältst? Diese Vorschriften jungen Menschen gegenüber aufzustellen ist entwürdigend und widerspricht dem Anspruch hierarchiefrei und gleichberechtigt miteinander zu leben.Es ist schlicht und einfach stumpfe Unterdrückung! Die geringere Lebenserfahrung in manchen Bereichen der Alltagsgestaltung bedingt,daß viele junge Menschen häufig Unterstützung bei alltäglichen Problemstellungen benötigen. Das muß nicht durch irgendwelchen "Eltern" geschehen. In einer Alltagssituation,in der versucht wird hierarchiefrei und gleichberechtigt miteinander umzugehen ist es selbstverständlich auf die gegenseitigen Bedürfnisse einzugehen. Wenn eine Person ein Problem hat und eine andere in der Lage ist ihr bei der Lösung davon zu helfen, sollte es klar sein zu überlegen,wie auf die Situation reagiert wird. Welche Beziehung mit wem diese Person hat oder haben soll ist dabei schnurzegal. Diese Betrachtensweise hat in der TS dazu geführt, daran zu arbeiten,daß Eltern-,Kinder-,und Familienrollen nach Möglichkeit komplett abgebaut und reflektiert werden. Es wäre schön,wenn selbiges respektiert und reflektiert wird, damit alle die Möglichkeit haben, sich altersunabhängig an einer gleichberechtigten Alltagsgestaltung zu beteiligen.
Mehr dazu:[[(gegen)Familienstrukturen]]
Privatstrukturen
Wie genau die Strukturierung der TS aussieht, ist in keinem Plan festgelegt, sondern immer das Ergebnis vom Handeln der Menschen. Einige haben inzwischen ihren gesamten Besitz in die offenen Räume der TS gestellt, andere nur einen Teil dessen, was vorher privat war und folglich nur von ihnen genutzt werden konnte. Denn die Offenheit der Räume in der TS ist garantiert. Wer also etwas in die Räume hineinstellt, kann es auch selbst immer nutzen - plus allem, was andere hinzufügen. Das macht das Geheimnis der TS aus: Alles was dort steht, ist kein Privateigentum mehr.Es sei denn, es ist eindeutig als solches gekennzeichnet. Dadurch werden alle beteiligten Menschen reicher, denn was sie bisher privat hatten, können sie jetzt immer noch nutzen. Zusätzlich steht ihnen das offen, was andere bisher privat besaßen und nun in der TS steht. Das Projekt ist also eine Art Umsonst-Nutzungszone. Nicht zu verwechseln mit einem Umsonstladen! Sprich: was da ist, bleibt auch da und wird nicht wieder reprivatisiert oder sonstwie gezockt (hoffentlich). Momentan gibt es in der TS fast keinerlei Privaträume-und Privatstrukturen. Dieser Umstand wird als sehr angenehm empfunden und die Einführung von ebensolchen Privatstrukturen würde ein hohes Konfliktpotenzial bedeuten. Die Einteilung in "Privates"und"dem Projekt gehörend wäre eine Wertung die ein Ungleichgewicht erzeugen würde. Wenn alles in der TS denen gehört,die sich an dem Projekt beteiligen und die Räume nach den benötigten Funktionen aufgebaut werden, kann eine gleichberechtigte Alltagsgestaltung stattfinden. .Es ist normal. Leute leben in ihren "eigenen" Räumen. Das eigene Haus, das eigene Zimmer, der eigene Wagen oda Laster, das eigene Zelt oder Hütte e.t.c. Das "private" bezieht sich dabei auf eine Art zu leben und muß sich nicht zwingend aufs wohnen beschränken. Die Privatstrukturen können sich auch auf das soziale Miteinander und auf den Umgang mit Gegenständen aller Art beziehen. Die "eigenen" Kinder, die eigene Familie, daß eigene Auto und der eigene Hund sind da gute Beispiele. Es gibt da irgendwas, daß der Allgemeinheit entzogen wird, für das einzelne unabgesprochen meinen verantwortlich sein zu müssen. Diese Besitzlogik versetzt selbige in die Machtposition darüber bestimmen zu können, was womit und mit wem passiert. Sie entzieht das von der Privatisierung betroffene der Beobachtung und der Interventionsmöglichkeit der Umgebung. Die Gewalt in der Familie ,zum Beispiel, ist auch deshalb so normal, weil sie durch diese Privatlogik geschützt wird und von aussen nur schwer beobachtet oder erst gar nicht registriert werden kann. Es wird eine Mauer um alles aufgebaut, von dem gewünscht wird ,dass es nur von den der Privatstruktur zugehörigen genutzt, geformt und beobachtet wird. Die Gruppe derer , die eine Privatstruktur nutzt wird von dieser Gruppe definiert. Eine offene Nutzung kann nicht stattfinden. Meist werden mit dieser Logik romantische Vorstellungen von den schönen eigenen 4 Wänden, der romantischen Beziehung oder dem tollen eigenem Krams verbunden. Die Verfechter/innen dieses Rückzuges leben häufig in ihrem eigenen Mikrokosmos der für sie meist wichtiger ist als das, was sie umgibt. In das eigene Zimmer (oder den eigenen Wagen/ Laster) im Projekt kommen die tollen CD`s, die interressanten Bücher und die schicken Möbel während in dem nichtprivaten Teil des Projektes eine zweitklassige Umgebung in jeder Hinsicht geschaffen wird.
Homophobie/Gender/Sexismus/Grenzüberschreitungen und mehr
Hab da mal nen Text geklaut, den ich als gut empfand. Die"wir"Form bitte nicht auf die Goldwaage legen.
Wir möchten einen Raum schaffen, in dem Menschen nicht der konstruierten Einteilung in Kategorien wie „Mann“ oder „Frau“ unterworfen sind, sondern in ihrer Selbstdefinition oder -nichtdefinition anerkannt werden.
Die gängige Einschätzung, dass es generell nur „Männer“ und „Frauen“ gibt, teilen wir nicht. Wir begreifen den Zwang, sich einem Geschlecht zuzuordnen als Teil einer zugeschriebenen Identität, die Menschen keinen Raum lässt, sich selbstbestimmt und immer wieder neu zu definieren. Die Kategorien „Frau“ und “Mann“ sind verallgemeinernde politische Konstruktionen, welche immer Ausschlüsse zur Folge haben. Sie verschleiern, dass es keine allen Menschen gemeinsamen Eigenschaften und Erfahrungen gibt . Wir denken, dass jede_r in unterschiedlichster Weise von Unterdrückungsmechanismen betroffen ist, z.B. auf Grund von Alter, soziale Lage, Ethnisierung, Sexualität etc. Dies bedeutet für uns auch, dass Sexismus in einem breiteren Kontext zu analysieren ist und bei seiner Bekämpfung immer auch weitere Unterdrückungsmechanismen mitgedacht werden müssen , die in Verschränkung mit diesem in einem allumfassenden Gewaltverhältnis wirken.
Gleichzeitig sind wir uns jedoch bewusst, dass die von uns abgelehnte binäre Geschlechterkonstruktion in der gesellschaftlichen Realität eine enorme Wirkungsmacht entfaltet. Die Kategorie Geschlecht geht einher mit spürbaren Auswirkungen auf unser Leben und da macht es durchaus einen Unterschied, ob eine Person als „Mann“, „Frau“ oder „nicht eindeutig definierbar“ wahrgenommen wird. Es ist uns daher wichtig, strukturelle Unterdrückungsmechanismen und konkretes sexistisches Verhalten wahrzunehmen und anzugreifen. Wir werden uns damit immer in einem Spannungsfeld zwischen dem Anspruch der Dekonstruktion und dem Anerkennen von realen Auswirkungen der konstruierten Geschlechtsidentitäten bewegen.
Entscheidend ist für uns nicht in erster Linie, wie sich Menschen definieren oder wie sie definiert werden. Wichtig ist uns vielmehr, wie sich Leute verhalten, wie sie miteinander umgehen und sich reflektieren.
Wir wollen einen Ort, an dem wir die Verhältnisse, in denen wir leben, mit anderen Menschen reflektieren können und eine Basis von der aus wir in einem emanzipatorischen Sinne an deren Veränderung mitwirken können. Das bedingt auch die Notwendigkeit der permanenten Auseinandersetzung mit den Verhältnissen in und zwischen uns. Wir wollen danach fragen, wie und ob die Handlungsfähigkeit und das Begehren von Menschen in einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort (durch sexuelle oder sexualisierte Gewalt ) diskriminiert und eingeschränkt wurde bzw. wird. Und dagegen wollen wir kämpfen – indem wir für uns und andere eine gemeinsame Plattform schaffen.
Die TS soll also erstmal allen Menschen mit Interesse an antisexistischer Theorie und/oder Praxis zur Verfügung stehen. Unser Anspruch ist ein respektvoller und reflektierter Umgang miteinander. Unter den oben beschriebenen Verhältnissen scheint eine Einschränkung der Offenheit des Ladens unabdingbar. Die Definition, was Sexismus und Grenzüberschreitungen sind, liegen bei den von diesen Betroffenen. Ganz klar, Täter und auch Täterschützer_innen fliegen raus oder kommen gar nicht erst rein. Auch in „der Linken“ werden Menschen beispielsweise immer noch in den Kategorien „Mann“ und „Frau“ gelesen. Die Vorstellung, wie (attraktive) Leute auszusehen haben, ist auch in diesen Kreisen sehr uniform. Platte Anmachsprüche, homo- und transphobe Kackscheiße und (beiläufige) Abwertung von nicht der herrschenden Norm entsprechenden Menschen, sowie Grenzüberschreitungen aller Art bis hin zu sexuellen Übergriffen und sexualisierter Gewalt sind leider auch hier keine Seltenheit.Kritik an einer solchen Praxis wird in vielen Fällen mit Ignoranz oder sogar mit direkten Angriffen beantwortet. Diesem sexistischen Normalzustand soll mit der TS etwas entgegen gesetzt werden.
Ageismus/Kinderrechte
"Kinder" sind zweifelsfrei Menschen. Deshalb haben auch sie eine unantastbare Menschenwürde – die gleiche unantastbare Menschenwürde wie alle "erwachsenen" Menschen. Eine Unterschiedlichkeit ihrer Menschenwürde wäre schlicht unbegründbar. Sonst müßten wahrscheinlich auch Frauen und Männer eine unterschiedliche Menschenwürde haben, kluge und weniger kluge, behinderte und nicht behinderte, arme und reiche, und überhaupt alle Menschen müßten unterschiedliche Menschenwürden haben. Das wäre natürlich Unsinn. Alle Menschen haben die gleiche Menschenwürde.
Und allgemein werden die Menschenrechte aus dieser Menschenwürde hergeleitet. Da alle Menschen in ihrer Menschenwürde gleich sind, wäre es sehr unlogisch, wenn einige Menschen weniger Menschenrechte hätten als andere. Deshalb haben alle die gleichen Menschenrechte – auch "Kinder". Es ist grundsätzlich ungerecht, Menschen aufgrund einer Eigenschaft zu diskriminieren, für die sie nichts können. Nicht nur Geschlecht, Hautfarbe, Behinderung und Staatsangehörigkeit sind solche Eigenschaften, sondern auch das Alter eines Menschen. Einen Menschen aufgrund seines Alters rechtlich zu benachteiligen ist kein bißchen besser, als ihn aufgrund seiner Hautfarbe zu diskriminieren.
Daß "Kinder" im allgemeinen weniger Fähigkeiten haben als Erwachsene, kann in keinem Fall ein Argument sein, um Kindern Rechte vorzuenthalten. Es ist wichtig, sich klar zu machen, daß ein Recht und eine Tätigkeit nicht das selbe sind. Ein (Menschen-)Recht zu haben, heißt, daß man an einer Handlung nicht gehindert werden darf. Es heißt nicht, daß man die Handlung jemals begehen muß. Es heißt nicht mal, daß man körperlich und geistig dazu überhaupt fähig sein muß. Das Recht auf freie Meinungsäußerung beispielsweise verpflichtet niemanden, sich zu einer Thematik zu äußern; es stellt nur klar, daß niemand daran gehindert werden darf. Und auch denjenigen Menschen, die – z.B. aufgrund einer Behinderung – in ihrer Fähigkeit zur Meinungsäußerung eingeschränkt sind, wird dieses Recht nicht entzogen. Welchen Sinn sollte es auch haben, jemandem, der sich ohnehin nur schwer äußern kann, dies nun ganz zu verbieten? Vielmehr muß gerade diesem Menschen besonders geholfen werden, muß gerade auch er dieses Recht haben. In der TS sind nicht irgendwelche Eltern für die Bedürfnisbefriedigung "ihrer Kinder" verantwortlich. Es gibt dort keine "Kinder" und "Erwachsene" sondern Menschen verschiedenen Alters und alle sollten versuchen in gleichberechtigten freien Vereinbarungen den Alltag zu gestalten.
Mehr?:[[Altersdiskriminierung ("Kinderrechte")]]
Lookism
Fast jede_r kennt das Phänomen, dass „gutaussehende“ Menschen auf Parties oft im Blickpunkt stehen, unbewusst andere Menschen als zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein, als „schön“ oder „hässlich“ bewertet werden oder dass auch der eigenen Körper als „hässlich“ wahrgenommen werden kann und mensch sich deswegen verunsichert und unglücklich fühlt. Dass auf Werbeplakaten, in Zeitschriften und im Fernsehen fast ausschließlich Menschen gezeigt werden, die dem gängigen Schönheitsbild entsprechen (und meist als 'weiß' und heterosexuell dargestellt sind), spiegelt gesellschaftliche Normen wider und macht deutlich, welche Werte entscheidend sind, um Anerkennung zu finden. „Gutes Aussehen“ ist ein Marktwert innerhalb der konkurrierenden, kapitalistischen Gesellschaft, und der positive Bezug auf „Schönheit“ führt gleichzeitig zur Diskriminierung von anderen, die von dieser konstruierten körperlichen Norm abweichen. Menschen werden in „schön“, „hässlich“ oder irgendwo „dazwischen“ eingeteilt und erhalten aufgrund dessen Vor- oder Nachteile. Diese Form der Diskriminierung, die in allen Lebensbereichen besteht und trotzdem kaum beachtet wird, wird Lookism genannt. Diese ist verflochten mit dominanten Machtstrukturen wie Sexismus und Rassismus.
Offener Raum/Freiraum
Als "offener Raum" kann ein Raum bezeichnet werden, in dem es keine Beschränkungen gibt, diesen zu nutzen und zu füllen - außer die anderen AkteurInnen, mit denen bei Interessenkollision (z.B. Nutzung der gleichen Infrastruktur, Flächen u.ä. zur gleichen Zeit) eine direkte Vereinbarung geschlossen wird. Dabei müssen selbstredent auch deren bedürfnisse und grenzen hinterfragt und respektiert werden.Ein Raum und seine Ausstattung (Technik, Räume, Wissen, Handlungsmöglichkeiten usw.) ist dann offen, d.h. gleichberechtigt für alle nutzbar, wenn die Beschränkungen physisch und praktisch nicht bestehen, d.h. der Zugang zu den Handlungsmöglichkeiten darf weder durch verschlossene Türen, Passwörter usw. verwehrt werden können noch dürfen Wissensbarrieren hingenommen werden, die Einzelne von der Nutzung des offenen Raumes und seiner Teile ausschließen. Dieses bedarf in der Regel eines aktiven Handelns, um Transparenz herzustellen, Zugänge zu Informationen zu ermöglichen und Erklärungen z.B. für technische Geräte bereitzustellen.
Kontrollfreier und bedingungsfreier Raum
Die Offenheit eines Raumes würde eingeschränkt durch Bedingungen des Zugangs oder der Nutzung von Teilen sowie durch tatsächliche oder optionale Kontrolle. Kontrolle erzeugt auch dann, wenn sie nicht konkret ausgeführt wird, Angstgefühle. Sie teilt Menschen oder Gruppen in (potentiell) kontrollierte und (potentiell) kontrollierende. Dieser Zustand bleibt auch dann bestehen, wenn die potentiell Kontrollierenden diese Funktion nicht ausüben wollen und es im Regelfall nicht tun. Allein die Möglichkeit verändert das Verhältnis von Menschen untereinander. Ist eine Metastruktur als Kontrollinstanz nutzbar, z.B. ein Plenum, so verlagert sich die Kommunikation um die Weiterentwicklung des Raumes, bei Interessenkollisionen und oft auch bei Kooperationen zwischen Teilen des Ganzen auf diese Metastruktur. Das steht einer freien Entfaltung aller Teile des Ganzen im Weg, da in der Metastruktur eine andere Form der Kommunikation herrscht, die von Regeln, taktischem Verhalten und einer mehr auf Sieg/Niederlage orientierten Redeform geprägt ist. Direkte Kommunikation und freie Vereinbarung gedeihen nur dort uneingeschränkt, wo Kontrolle und damit die mögliche Alternative, Konflikte auch herrschaftsförmig zu klären, gar nicht bestehen. Zweitrangig ist dabei, wie die Kontrolle organisiert ist - ob in der Dominanz einer Einzelperson oder -gruppe (z.B. Hausrecht, Faustrecht, rhetorische Dominanz) oder in demokratischen Prozesse. Demokratische, auch basisdemokratische Entscheidungskompetenz auf Metaebenen ist Kontrolle, zerstört direkte Kommunikation und erschwert freie Vereinbarung " wenn auch verschleierter. Die einzig grundlegende Alternative zu allen Formen von Kontrolle ist die totale Kontrollfreiheit: Es gibt keine Möglichkeit mehr, außerhalb gleichberechtigter Kommunikation eigene Interessen durchzusetzen.
Offensives Herstellen des offenen und kontrollfreien Raumes
Offenheit und Kontrollfreiheit entstehen nicht durch bloßes Weglassen formaler Verregelung. Das würde übersehen, dass die Gesellschaft durchzogen ist von Zurichtungen der Einzelpersonen und sozialer Gruppen, die auch in einem von formalen Unterschieden freien Raum weiterwirken. Hierzu gehören di e autoritären Aufladungen im Verhältnis zwischen Menschen, z.B. der Respekt vor älteren Menschen, Titeln, sog. ExpertInnen oder Amtspersonen, aber auch die Rollenmuster nach Geschlecht, Bildungsgrad oder Herkunft. Mit diesen Vorprägungen betreten alle Menschen auch einen offenen, kontrollfreien Raum und werden sich entsprechend gegenüber anderen verhalten " es sei denn, es gibt einen aktiven Prozess, der Zurichtungen überwindet oder zur Überwindung beiträgt. Dazu gehören:
1. Bewusstmachung von Zurichtungen, Dominanzen usw. über Texte, Gespräche, Reflexionen und mehr vor, während und nach dem Gruppenprozess. Offensive Erklärungen aller Möglichkeiten, also der Technik, der Nutzbarkeit von Räumen und ihrer spezifischen Ausstattungen, des Zugangs zu Wissen (falls dieses nicht direkt sichtbar ist) und informierten Personen, der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten des offenen Raumes usw. Bereitstellung der räumlichen und technischen Möglichkeiten sowie des Wissens für dominanzmindernder Gruppenverfahren, z.B. Räume für Fish-Bowl, Wände zur Visualisierung usw. 2. Workshops, Seminare und Einführungen in die Nutzung technischer Ausstattung, in Aktionsmethoden, Gruppenverfahren und vieles mehr. Herstellung einer hohen Transparenz des "Was läuft wo?", "Welche Streitpunkte bestehen und werden wo diskutiert/geklärt?", "Was fehlt?", "Wer braucht Hilfe?", "Welche Weiterentwicklungen des offenen Raumes laufen oder werd en angestrebt?" usw. Dazu sollten ein oder mehrere Informationspunkte geschaffen werden, an denen alles, was läuft oder geplant wird, angeschrieben wird mit Treffpunkt, Kontakt u.ä. (siehe Verfahren "Open Space").
Raum als sozialer Begriff
Mit Raum ist in diesem Text nicht nur ein umbauter Bereich, also ein Gebäu de oder Zimmer, ein Zelt oder eine Fläche, sondern auch ein sozialer Raum. Es ist denkbar, einen solchen herzustellen, ohne dass sich die Menschen überhaupt direkt begegnen - eine Internetkonferenz mit dem Ziel, z.B. eine Aktion zu planen oder Software zu entwickeln, kann als ein solcher sozialer Raum betrachtet werden. Klassischer ist das Treffen einer Gruppe, ein Camp, ein Kongress oder ein Projekttreffen. Der konkrete Ort ist oft völlig unwichtig, wichtiger ist das, was die Beteiligten mitbringen an Wissen, Erfahrungen, Know-How, handwerklichen Fähigkeiten, Informationen, materieller und finanzieller Ausstattung. Sie verbinden sich oft mit unterschiedlichen rhetorischen und sonstigen Möglichkeiten zu Dominanzstrukturen. Experimente zur Dominanzminderung und zur Öffnung allen Wissens und aller Möglichkeiten für alle Beteiligten gestalten auch eine Gruppe, ein Seminar oder ein andere Treffen zum "offenen Raum".
- Mehr Ideen unter www.hierarchnie.de.vu.
Antispeziesismus
Antispeziesismus - Was ist das eigentlich?
Hannes P. <jugend@graswurzel.net>
Was wie ein kompliziertes Fremdwortmonstrum aussieht, lässt sich mit einfachen Worten beschreiben: Antispeziesismus meint die Ablehnung der Ausbeutung nichtmenschlichen Lebens zu Gunsten menschlicher Lebensformen. Fleisch, Fisch, oder mit tierischen Bestandteilen gefertigte Kleidung: All das sind Produkte speziesistischen Handelns. Der gesellschaftliche Normalfall?
Die Bratwurst von der Bude, das Ei aus dem Supermarkt, oder die Lederjacke im Schrank: Die Liste an Produkten, bei deren Herstellung tierisches Dasein mit Füßen getreten wird, lässt sich endlos fortsetzen. Dabei wird in den meisten Fällen sogar verkannt, dass Lebewesen für den kurzweiligen Genuss leiden mussten. Die „Wurst aufs Brot“ gehört genauso wie die Frühstücksmilch, oder an Tieren erprobte Kosmetikartikel zu den „gesellschaftlichen Standards“. Menschliche und nichtmenschliche Tiere
Diese „gesellschaftlich anerkannten Standards“ erhöhen menschliche über nichtmenschliche Tiere; vergleichbar mit Rassismus oder Sexismus, wird eine bestimmte Gruppe einer anderen übergeordnet, die Ausbeutung und Unterdrückung einer Gruppe akzeptiert. Nur dass im Fall des Speziesismus nicht nur Personengruppen, sondern ganze Spezies unter erdachte Machtverhältnisse fallen. Eine große Rolle spielen dabei Eigenschaften, die nichtmenschlichen Tieren gerne abgesprochen werden. Während das menschliche Tier intelligent, einfühlend und sozial ist, fehlen nichtmenschlichen Tieren angeblich all diese Eigenschaften – so der Tenor, auf dem speziezis- tisches Handeln fußt. …und menschliche Schweine
Gemeinschaft, Nähe, Geborgenheit und Spieltrieb sind Verhaltensweisen, die nicht nur dem Menschen vorbehalten sind. Bilder von blutüberströmten Jungschweinen, die sich angsterfüllt aneinanderdrücken sind die tägliche Realität der so genannten „Fleischproduktionsstätten“. Dem stellen AntispeziesistInnen eine Alternative gegenüber: Ziel allen Handelns soll es sein, in einer Form der Harmonie mit nichtmenschlichen Tieren zu leben. Ein auf Zusammenarbeit basierendes Handeln soll Vorteile für die Angehöri- gen der unterschiedlichen Spezies garantieren. Antispeziesistisches Handeln
Die tiefe gesellschaftliche Verankerung und Akzeptanz tierverachtenden Gedankenguts erschwert den antispeziezistischen Widerstand. Daher verstehen sich viele AntispeziesistInnen vor allem als aufklärende Kräfte – daneben gibt es aber auch direkte Aktionen. Und auch das Verzichten auf den Konsum von Produkten tierischen Ursprungs, bzw. das Schaffen eines Bewusstseins für Belange, die andere Spezies betreffen, spielen - nicht nur auf theoretischer Ebene - eine große Rolle. Dabei kommt es nicht nur auf eine grundsätzliche Kritik, sondern auf Arten der persönlichen Lebensgestaltung an: denn jeder Konsum tierischer Produkte unterstützt die Profiteure speziezistischer Ausbeutung. … und ein Zukunftsentwurf
Ein anderes Tierbild ist nötig, um die speziesistische Misere zu überwinden. Neben der – nicht nur gedanklichen – Gleichwertigkeit tierischen Lebens müssen auch Ernährungsformen und – gewohnheiten überdacht werden. Denn der Mensch kann sich diese „Barbarei“ als vernunftbegabtes und moralisches Wesen nicht leisten.