Systemfehler/Presseerklärung
Schenkladen F'hain eröffnet
Es gibt Läden, die gibt es eigentlich gar nicht. Dieser hier besteht aus einem Raum voller Geschenke und alle können einfach so mitgenommen werden. Bezahlen ist von gestern und das ist die dahinterstehenden Intention. Es muss nicht immer und überall um kaufen und konsumieren gehen.
Ergänzt wird der "Systemfehler", Schenkladen Friedrichshain, durch eine über Festnetz-Telefon erreichbare Verschenkbörse, vorerst aber nur über Mobilfunk: 0152 03243901.
Ein weiteres zentrales Anliegen des Ladens ist der Aufbau von Nutzungsgemeinschaften. Eine Nutzungsgemeinschaft ist ein Netzwerk aus Personen, die gemeinsam etwas nutzen, sich gegenseitig Dinge zur Verfügung stellen oder schenken. Das können sowohl die Nutzer/innen eines Wohnhauses sein als auch der eigene Bekannten -und Freundeskreis.
Der Laden soll auf keinen Fall als Dienstleistung verstanden werden. Die Menschen sollen sehen, dass der Laden nur mit ihrer Hilfe funktionieren kann. Das fängt damit an nur Dinge in den Laden zu bringen, von denen ich mich schwer trennen kann. Wichtig ist dabei, dass andere sie noch gut gebrauchen können und nicht, dass ich sie los werden will. Und geht weiter beim selbstständigen Einsortieren der mitgebrachten Dinge.
Der Laden steht allen Menschen offen, die ihn gerne nutzen wollen und wendet sich ausdrücklich nicht nur an Bedürftige. Er ist keine Ersatzstruktur für staatliche Kürzungen.
Der Schenkladen ist ein erster Baustein in die Richtung solidarischer Selbsthilfe und Selbstorganisation. Die Idee hinter dem Laden ist, dass sich Menschen finden, die weitere Formen der gegenseitigen Selbsthilfe aufbauen. Denkbar ist dabei einiges: Kleinmöbellager, Foodcoop, Fahrradselbsthilfe, Hausaufgabenhilfe, Nutzungsgemeinschaften, ... "Politik machen" heißt nicht "wählen gehen", sondern "selbst aktiv werden". Die Utopie des Ladens ist die Rekonstruktion bzw. der Aufbau sozialer Netzwerke, z.B. durch vermehrte Nachbarschaftshilfe, insbesondere aber durch die Wiederaufnahme von Kommunikation und Dialog in direkter Nachbarschaft.
Das Prinzip „Schenkladen“ versucht in einer ungerecht strukturierten Wirtschaftsordnung eine kleine Alternative zu sein. Er ist allerdings nur eine Struktur, die davon profitiert, dass in Industriestaaten im Überfluss produziert wird, andere aber nicht mal das Nötigste zum Essen haben.
Der Laden ist ein zeitlich begrenztes Projekt, das durch eine Bezuschussung der EU teilfinanziert ist. Damit das Projekt unabhängig wird, suchen wir Menschen, die Paten/Patinnen werden wollen, und dem Projekt pro Monat 1-2 Euro spenden, so dass die anfallenden Kosten gedeckt werden können.
Es gibt bereits einen anderen Laden mit ähnlicher Intention. Der "Umsonstladen" in Mitte existiert bereits seit über fünf Jahren, ist allerdings durch einen neuen Hauseigentümer gefährdet.
Die Startphase des "Systemfehlers, Schenkladen F'hain" zeigt, dass es den Bedarf für solchen Läden in jedem Kiez gibt.
Das Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Union finanziert. Der Inhalt dieses Projektes gibt nicht notwendiger Weise den Standpunkt der EU oder der NA wieder und sie übernehmen dafür keinerlei Haftung.
Kontakt: systemfehler-berlin(at)web.de, http://www.systemfehler-berlin.de.vu, Schmidt: 01...