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Systemfehler/Entwurf Grundverständnis von 2007
Hier einige grundlegende Dinge zum Verständnis des Systemfehlers:
keine Dienstleistung
- Wir wollen in diesem Laden keine Dienstleistung anbieten, d.h. die Nutzer/innen des Ladens sollen sich u.a. durch das Selbsteinräumen und die Kontrolle, ob die Dinge, die sie mitbringen überhaupt noch für andere verwendbar sind, selbst als Teil des Ladens begreifen.
kein Ersatz für staatliche Leistungen
- Wir sehen den Laden nicht als Ersatz für Leistungen des gerade von Politiker/innen und Wirtschaft torpedierten Sozialstaates. Vielmehr wollen wir aufzeigen, dass ein soziales Miteinander möglich ist, das auf solidarischer Kooperation zwischen den Menschen und nicht auf Konkurrenz und Statusdenken basiert.
Umsonstladen sollte nur der Anfang in einem großen Selbsthilfenetzwerk sein
- Es wäre schön, wenn sich Menschen finden, die weitere Formen der gegenseitigen Selbsthilfe aufbauen. Außerdem wollen wir die schon vorhandenen, aber nicht transparenten Selbsthilfestrukuren sichtbar machen.
- Denkbar ist dabei einiges: Kleinmöbellager, Foodcoop, Fahrradselbsthilfe, Hausaufgabenhilfe, Nutzungsgemeinschaften, ...
- siehe dazu: Projekt Neue Arbeit Hamburg mit diversen Unterprojekten
kein Bedürftigenprinzip
- Der Laden steht allen Menschen offen, die ihn gerne nutzen wollen und wendet sich ausdrücklich nicht nur an Bedürftige.
Gebrauchswert statt Warenwert
- Wir wünschen uns, dass die Dinge von unseren Nutzer/innen nach ihrem Gebrauchswert bemessen werden und nicht je nach Geldwert mitgenommen werden. Wir empfinden das als Voraussetzung für eine Organisationsform, die auf Bedürfnisorientierung und nicht Geldlogik basiert.
Schenken und Geschenke bekommen
- Die Offenheit zu einer Auseinandersetzung mit einer Wirtschaft, die auf Schenkung basiert, vorausgesetzt, kann das Denken des/r Einzelnen, weg von einem ständigen Aufrechnen, hin zu einem Schenken ohne Gegenleistung, bewirken.
selbstorganisiertes Engagement als gesamtgesellschaftliche Perspektive
- Die Zeit der reinen Erwerbsarbeit ist vorbei. Trotzalledem stellen Medien und Politiker/innen Erwerbsarbeit als Muss für alle Menschen dar. Viel sinnvoller ist es, gesellschaftliches, ehrenamtliches und unentgeltliches Engagement als gleichberechtigte Alternative zu Formen der Erwerbsarbeit anzusehen. Dann hieße es nicht mehr: "Er/Sie geht nicht arbeiten; macht nur bei so'nem Verein mit, weil er sonst nix zu tun hat.", sondern: "Der Lebensunterhalt bezahlt der Staat, dafür engagiert er/sie sich ehrenamtlich."
- Damit ist freiwilliges Engagement gemeint! Also das Gegenteil von Hartz IV, 1-Euro-Zwangsmaßnahmen und Leistungskürzungen.
Kooperation und Solidarität statt Konkurrenz
- Die Tendenz zur Individualisierung, wie z.B. dem isolierten Konsum von Medien (TV, PC, ...), Anonymisierung ist in den letzten 15 Jahren immer stärker geworden. Diese Entwicklungen widersprechen menschlichen Bedürfnissen und zerstören vorhandene soziale Netze.
- Unsere Utopie ist die Rekonstruktion bzw. der Aufbau sozialer Netzwerke, z.B. durch vermehrte Nachbarschaftshilfe, insbesondere aber durch die Wiederaufnahme von Kommunikation und Dialog.
"Politik machen" heißt nicht "wählen gehen", sondern "selbst aktiv werden".
- Die Menschen in Deutschland sind es gewohnt, dass ihnen alles vorgesetzt wird. Alles wird konsumiert, weil nichts anderes denkbar scheint. Unsere Hoffnung ist, dass Menschen ihre Umgebung als veränderbar und beeinflussbar betrachten und nach ihren eigenen Ideen gestalten.
- Beispiele dafür: Gemeinschaftsgärten/urban gardening in Berlin
Der Umsonstladen ist Teil eines auf Kooperation und solidarischen Handeln basierenden Netzwerks
- eine Übersicht für Berlin gibt's hier
Das Prinzip „Umsonstladen“ versucht in einer ungerecht strukturierten Wirtschaftsordnung eine kleine Alternative zu sein.
- Er ist nur eine Struktur, die davon profitiert, dass in Industriestaaten im Überfluss produziert wird, andere aber nicht mal das Nötigste zum Essen haben.
- Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der menschliche Bedürfnisse und nicht die Arbeitskraft im Vordergrund stehen. In Bezug auf die katastrophale Situation in den Ländern der 3. und 4. Welt, wäre
Chancengleichheit & als ersten Schritt etwas zu Essen eine unbedingt notwendige Grundvoraussetzung dafür.
- In unseren Augen ist es jedoch nicht möglich, die bestehende Wirtschaftsordnung soziale gerecht und fair für alle Menschen umzustrukturieren.
- Die Repräsentanten der reichen Länder und damit nicht zuletzt auch wir selbst haben KEIN Interesse an einer gerechten Weltwirtschaftsordnung; unser Wohlstand existiert, weil andere Menschen ausgebeutet werden. Das bestehende System ist daher nur in kleinen Details änderbar, weil die Spielregeln Ausbeutung und Unterdrückung Grundlage für dieses System sind. Die logische Konsequenz dessen, ist die Hinterfragung und Ablehnung dem gesamten gesellschaftlichen System, sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene.
"There is an alternative!" / TINA ist Quark.
- Ohne, dass damit eine bestimmte politische Richtung vorgegeben werden muss, liegt die Alternative auf der Hand. Die Menschen müssen sich selbst als die Gestalter/innen ihres Lebens, ihrer Umgebung und ihrer Gesellschaft sehen. Keine "Politik" von Repräsentanten, die über die Köpfe der Menschen hinweg entscheidet: Politisches Handeln von gleichberechtigten Menschen für Menschen.
- Angefangen werden kann lokal. Beispiele sind nicht schwer zu finden: Mexiko. "Im Gegensatz zu anderen Guerillabewegungen wollen die Zapatisten nicht die Macht im Staat übernehmen, sondern betonen ihren basisdemokratischen Anspruch und zielen auf den allmählichen Aufbau einer andersartigen Macht von unten." - Noch Fragen? http://de.wikipedia.org/wiki/EZLN
Diese Thesen sind vom Arbeitskreis "Politisches Grundverständnis des Systemfehlers" und müssen nicht der Meinung aller im Systemfehler aktiven Menschen entsprechen.
Juli 2007

