Stamm der Likatier
Aus Selbstorga-Wiki
Der Stamm der Likatier ist eine kommuneähnliche Lebensgemeinschaft, die 1974 gegründet wurde und ihr Zentrum in Füssen im Allgäu hat. Der Name bezieht sich auf den keltisch-vindelizischen Stamm der Likatier, der im Gebiet um den Lech siedelte. Eigenen Angaben zufolge hatte der Stamm im Juli 2006 ca. 260 Mitglieder.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte und Ziele
Die Gemeinschaft wurde 1969 vom aus Füssen stammenden Wolfgang Wankmiller gegründet und nannte sich anfangs "PFA" (Planet For Absolution), ab 1993 "Stamm Füssen Eins", bis sie sich 1998 den aktuellen Namen "Stamm der Likatier" gab (diese und folgende Angaben mit Jahr nach [1.]).
Bis 1990 betätigten sich die Mitglieder vor allem kommunalpolitisch in verschiedenen Parteien [2.] die politischen Ziele waren Umwelt- und Heimatschutz und Jugendarbeit. Die Gruppe versuchte durch Mitgliedschaften in verschiedenen Parteien, ihre Ziele zu verwirklichen. Dies führte letztlich auch zu Parteiausschlüssen [3.]. Da die Likatier wirtschaftliche Eigenständigkeit anstrebten, wurden in der Folgezeit verstärkt Immobilien erworben und eigene Unternehmen aufgebaut [4.]. Heute arbeiten die Menschen der Gemeinschaft in einer Vielzahl eigener Unternehmen so z.B. einer ganzheitlichen Arztpraxis, einer Heilpraktikerschule, einem gemeinnützigen Verein für Ganzheitliche Medizin, einer Agentur für Messe- und Kongressveranstaltungen, einer PR-Agentur, im eCommerce/Internet-Versand-Bereich oder einer Softwarefirma [5.].
Der Stamm der Likatier nennt als wichtigstes Ziel die Entwicklung einer eigenen Kultur, jedoch gibt es laut eigener Aussage für die einzelnen Stammesmitglieder "keine Verpflichtungen zur Teilhabe an dieser Kultur" [6.]. Die auf seiner Internetpräsenz genannten Interessen- und Betätigungsfelder stellen sich als eine Mischung lokaler Traditionen und spiritueller Themen verschiedener Ausrichtung und Herkunft dar. Weiterhin spielen ökologische Ideen wie Bioregionalismus und Tiefenökologie sowie alternative Lebensformen eine Rolle.
Im Unterschied zu vielen Kommunen im Sinne der 68er Bewegung ist der Stamm nicht hierarchiefrei, sondern gliedert sich in so genannte Stammeskreise. Diese unterscheiden sich durch verschieden starkes Einlassen ihrer Mitglieder auf das Gemeinschaftsleben [7.]. Dabei kommt den Mitgliedern ab dem zweitinnersten Kreis, den so genannten Schwurmenschen, eine besondere Bedeutung zu: Sie entscheiden im Konsens über alle wichtigen Themen des Stammes der Likatier, wie z.B. die Aufnahme neuer Gemeinschaftsmitglieder oder die Kulturentwicklung des Stammes [8.].
Seit 2003 ist die Gemeinschaft Mitglied im Global Ecovillage Network Europe, einem europäischen Verband von Ökodörfern.
[Bearbeiten] Kritik und Öffentlichkeit
Bereits seit den Zeiten politischer Betätigung und verstärkt im Zuge der wachsenden wirtschaftlichen Aktivität und dem Erwerb von Immobilien im Füssener Stadtgebiet entstanden Irritationen und Ängste bei der einheimischen Bevölkerung. In einer politischen Auseinandersetzung bezeichnete ein CSU-Kreisvorsitzender den Stamm erstmals als "Sekte" [9.], ein Kampfbegriff den die bürgerliche Presse gern aufnahm und Deutschlandweit verbreitete [10.]. Aus konservativen Kreisen der örtlichen Bevölkerung gründete sich eine Bürgerinitiative gegen die nun als "Sekte" bezeichnete Gemeinschaft [11.]. Da die Zugehörigkeit von Unternehmen zum Stamm nicht erkennbar war, wurden diese über Gerüchte und die Medien bekannt gemacht, so dass Geschäftspartner teilweise die Zusammenarbeit einstellten [12.] und die Gemeinschaft des Stammes der Likatier wirtschaftlich stark bedroht wurde.
Besonders starkes Interesse fand ein vermuteter systematischer Kindesmissbrauch innerhalb der Gruppe [13.]. Ende Januar 2001 kam es zu einem Prozess gegen einen einschlägig vorbestraften Mann aus dem Gemeinschaftsumfeld, der zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde nachdem er sexuelle Übergriffe gegenüber mehreren Mädchen gestanden hatte. Obwohl der zuständige Richter der Gemeinschaft keine Mitschuld an diesen Vorfällen gab und auch die Staatsanwaltschaft von einem Einzelfall ausging [14./15.] , wurde die Gemeinschaft weiterhin als Ganzes mit diesem Ereignis in Verbindung gebracht [16.].
Andere Kritikpunkte, die sich auf Berichte von Aussteigern stützten, waren "Ausbeutung" und wirtschaftliche Abhängigkeit der Mitglieder. Da der Stamm lange Zeit praktisch keine Öffentlichkeitsarbeit betrieb, wuchsen immer mehr Vermutungen und Ängste bei der bürgerlichen Füssener Bevölkerung [17.]. Diese Entwicklung gipfelte in bundesweiten Medienkampagnen gegen die Gemeinschaft, wobei die sich immer wieder gegenseitig zitierenden Schlagzeilen eindrucksvoll zu berichten wussten, dass der Stammesgründer und "Sex-Guru von Füssen" sich als Reinkarnation von Jesus Christus, Albert Einstein und Ludwig II. sieht, dass seine rund 150köpfige "Kultgemeinschaft" seit über 20 Jahren die Stadt Füssen terrorisiere und diese "wie eine Krake" im Griff habe. Weiterhin wurde von über vierzig Konten berichtet über welche die Finanzierung der "nicht weniger als vierzig Liegenschaften in der Stadt" laufe, von einer einer "sekteninternen Währung" und einer jederzeit zuschlagbereiten "Schutzstaffel". Außerdem würde "die Gemeinschaft, die das Wahngebilde eines eigenständigen "Staates im Staate" realisieren wolle", vor allem durch "Sex- und Alkoholexzesse" auffallen und "ihre "niederen Chargen" gnadenlos ausbeuten". Dass, trotz der häufigen Vorwürfe "im Drogenrausch Kinder zu missbrauchen" Jahrzehntelang nichts Greifbares gegen den Stamm unternommen wurde, liege dem "Vernehmen" nach daran, dass die Gemeinschaft "geheime Sex-Dossiers über jeden einzelnen" (der immerhin rund 14.000!) Füssener angelegt haben soll [18.][19.][20.].
Aufgrund des massiven Druckes der regionalen wie auch überregionalen Presse (Allgäuer Zeitung, Süddeutsche Zeitung, tz, Focus u.a.) und annähernd eines Dutzends kritischer TV-Beiträge (BR, SAT1, PRO7, ORF u.a.) [21.][22.], erstellte der Stamm der Likatier 2003 eine eigene Internetpräsenz um den immer abenteuerlicheren Behauptungen zu begegnen und der Bevölkerung die Ängste und Befürchtungen zu nehmen.
Das wurde zwar von manchen Kritikern als positive Veränderung wahrgenommen [23.], konnte jedoch den schlechten Ruf der durch die heftige Medienkampagne entstanden war bis heute noch nicht ausräumen [24.].
Trotzdem spiegelt sich auch in der Presse eine zunehmend differenziertere Wahrnehmung wieder [25.]. Neuerdings bietet der Stamm der Likatier sogenannte Kennenlern-Seminare an, in denen Interessierte einen eigenen Blick auf das Leben in der Gemeinschaft werfen können [26.]. Auch wird in letzter Zeit verstärkt um die Jugend geworben; seit 2005 werden Jugendcamps von der Jugendorganisation der Gemeinschaft, den so genannten "NewComern" veranstaltet [27.].
Jüngste Presseberichte dokumentierten die nun schon über Jahre anhaltende institutionalisierte Diskriminierung der Menschen aus dem Umkreis des Stammes der Likatier [28.][29.].
[Bearbeiten] Quellen
- [1]
- [2]
- [3]
- [4]
- [5]
- [6]
- [7]
- [8]
- [9]
- [10]
- [11]
- [12]
- [13]
- [14]
- [15]
- [16]
- [17]
- [18]
- [19]
- [20]
- [21]
- [22]
- [23]
- [24]
- [25]
- [26]
- [27]
- [28]
- [29]
[Bearbeiten] Weblinks
Eigendarstellungen
Außendarstellungen



