Probleme und Grenzen der Offenheit
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Die Zugangsoffenheit einer Gruppe von Menschen ist ein schöner Anspruch, aber leichter gesagt als getan. Auf dieser Seite soll
- nach Gründen gesucht werden, woran die Offenheit scheitert, und
- der Frage nachgegangen werden, inwieweit Offenheit überhaupt möglich ist, wenn nicht alles egal ist.
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[Bearbeiten] Signale, die Offenheit herstellen bzw. zerstören
- Politische Symbole sind traditionell Mittel der Abgrenzung; in der Gesellschaft des Spektakels sind die Symbole von den Inhalten getrennt und führen einen Schaukampf auf, bei dem es um Interpretationsmacht geht, ohne dass Inhalte, die im täglichen Leben Bedeutung hätten, eine Rolle spielen (Entfremdung der Politik).
- Offenheit wird mit dem Fragezeichen signalisiert, nicht mit dem Ausrufezeichen, O=?-!
[Bearbeiten] Offenheit für wen oder was?
- Die totale Offenheit ist eine klischeehaft idealisierte Illusion: Die Frau/Den Mann von der Strasse anzusprechen ist ein mühseliges Unterfangen und hauptsächlich dazu geeignet, die eigenen Vorurteile zu untermauern.
- Realistischere Möglichkeiten, Menschen anzusprechen und Gehör zu finden gibt es bei denen, die selbst schon irgendwie aktiv tätig sind (Anknüpfungspunkt): sei es dass sie Sachen in den Umsonstladen bringen, oder zu einem Vortrag gehen, usw.
[Bearbeiten] Dekonstruktion von (subkultureller) Identität
- These: Es wird linksradikalen Subjekten nicht gelingen, offen zu sein, wenn sie das nur zum Schein machen (um politische Beute zu machen); sie müssen ihre linksradikale Identität auch ein ganzes Stück weit dekonstruieren. - D.h., sich selbst als Teil des "Draussen" begreifen. Das wiederum kann teilweise unangenehm sein, weil die Szene ein Credo hat und Konformität verlangt: "Auf welcher Seite stehst du eigentlich? Sei solidarisch!"
- Beobachtung: Die Grenzgänger*innen, die sowohl drinnen als auch draussen sind, halten das biographisch nicht lang durch, weil meist drinnen das konforme politische Leben stattfindet und draussen das Privatleben, das auf Dauer realer ist als politische Symbolik.
[Bearbeiten] Offenheit und Beliebigkeit
- Zugangsoffenheit herzustellen und von anderen zu erwarten, dass sie offen für "unsere" Inhalte sind, wird nicht funktionieren, ohne dass "wir" auch offen für andere Inhalte/Erfahrungen sind. (Z.B. Erfahrungen von Migrant*innen, Obdachlosen, ...)
- Das politische Business fordert klare Standpunkte, und das Zugeben von Unsicherheiten oder Selbst-Zweifeln ist schädlich. Offenheit heisst auch, inhaltliche Unsicherheiten offen auszusprechen und anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich am Prozess des Nachdenkens und Klärens zu beteiligen.
- Totale (inhaltliche) Offenheit wäre auch totale Beliebigkeit. - Ohne inhaltliche Grundlagen wäre gegenseitiges Voneinander-Lernen auch nicht möglich und die Kommunikation leer.
- Meist werden inhaltliche Grundlagen aber nicht ausgearbeitet, sondern durch Prinzipien oder Schlagworte ersetzt, die normierende Wirkung auf die Beteiligten haben und das lebendige Hinterfragen behindern. - Grundlagen heisst nicht Axiome/Glaubenssätze, sondern Ziele/Utopien, die Frage ist "wo wollen wir hin?".
- Offenheit bedeutet, die eigenen Grundlagen auf Nachfrage erklären zu können und das auch hin und wieder zu tun.
- Das wirksamste Hindernis für gegenseitiges Voneinander-Lernen ist Gläubigkeit (egal, ob an Gott, die Anarchie, den Markt, die Revolution, oder den Staat).


