Material/Pressemitteilung
Autoorganisation 2006
Kongress- und Aktionstage selbstorganisierter Strukturen, 13.-17. April, Berlin
Gibt es ein richtiges Leben im falschen? - Selbstorganisation und politische Relevanz
Ostern 2006 wird in Berlin der zweite Autoorganisations-Kongress stattfinden. Thema soll das gesamte Spektrum der Selbstorganisation sein, nähere Informationen zur Kongresstruktur unter: http://www.autoorganisation.org.
Im Rahmen der unterschiedlichsten Workshops sollen Probleme und Perspektiven selbstorganisierter Strukturen diskutiert werden. Denn Selbstorganisation ist die Grundlage unserer politischen Arbeit und Teil unserer täglichen Lebenspraxis.
In Zeiten des immer stärkeren werdenden Zwangs zur Integration in die kapitalistische Arbeitsweise erscheint es immer wichtiger, Alternativen zu erarbeiten und aufrecht zu erhalten. Die urbane Utopie vom öffentlichen Raum als Ort, an dem sich unterschiedliche Lebensentwürfe produktiv reiben, wird in Zeiten von Reglementierung und Regulierung unmöglich gemacht. Stattdessen sehen wir uns konfrontiert mit neuen Überwachungstechniken, privatisierten Räumen, Innenstadtverboten für Randgruppen und zumnehmender Vereinzellung und Prekarisierung. Das Streben nach (scheinbarer) Sicherheit löst das Streben nach Freiheit ab. Der Staat, die Durchdringung des Lebens durch marktwirtschaftliche Aspekte und nicht zuletzt wir selbst, treiben den Prozess sozialer und kultureller Ausgrenzung immer weiter voran. Ein Ansatz, um all'dem praktische Alternativen und Ausgangspunkte entgegenzustellen, können selbstbestimmte und selbstorganisierte Räume sein. Sie bieten die grundlegende Infrastrucktur für politische Arbeit und sind somit wichtige Basis politischen Engagements. Sie zeigen darüber hinaus Alternativen zur Kommerzialisierung aller Lebensbereiche auf und machen die Möglichkeit eines anderen Lebens damit sichtbar. Dennoch stellt sich für uns auch immer wieder die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz unserer Strukturen.
In ihrer Funktion als Schutz- und Rückzugsraum definieren sie sich von selbst als Nische innerhalb der Gesellschaft, wodurch ihnen eine Anbindung an den gesamtgesellschaftlichen Kontext fehlt.
Gleichzeitig ist der Zugriff des kapitalistischen Wirtschaftsystems so allumfassend, dass wir uns auch in diesen Schutzräumen der Gesellschaft nicht vollständig entziehen können. So organisieren sich selbstorganisierte Strukturen als Subkultur oder „Szene“, als kulturell abgeschlossener Zirkel, der gleichzeitg sozial und ökonomisch nicht selbstständig lebensfähig ist.
Deshalb geht es uns im Kampf um den Aufbau und Erhalt selbstorganisierter Projekte und Strukturen darum, linksradikale Politik als solche zu verteidigen, gerade angesichts einer Lebenswelt, die immer unsozialer und repressiver wird. Um unseren Forderungen Ausdruck zu verleihen, wird am Samstag, dem 15.4.06, eine Demo durch Berlin unter dem Motto: "...denn die Häuser und Plätze gehören uns!" für mehr linke Freiräume stattfinden. Mehr Informationen zu der Demonstration unter www.yorck59.net/wpsksoli.html.
Themen der diesjährigen Workshops sind unter anderem:
- selbstbestimmte Bildung
- Möglichkeiten eines anderen Lebens
- Aufbau alternativökonomischer Strukturen
- Medien und Kommunikation
- Vernetzungstreffen einzelner Gruppen
- Selbstorganisation in Alltag und Politik
Termin: 13.4.-17.4.2006 Berlin Ort: Berlin Näheres unter http://www.autoorganisation.org