Institut für angewandte Utopie 5
Institut für angewandte Utopie 5
Ein neues Projekt soll entstehen. An einem Ort in der BRD, wo größere Flächen nicht so extrem teuer sind. Möglicherweise in einem bestehenden Dorf, in der Rad- und Bahn-Nähe einer Klein- oder Großstadt, auch mit renovierungsbedürftigen Gebäuden die noch brauchbare Bausubstanz haben. Weitere Zersiedlung soll vermieden werden. Ein Projekt das widerständiges Leben und den Aufbau von Alternativen vereinen soll, ein Projekt in dem alles möglich ist, das von den Ideen der vielen zusammen wirkenden Menschen lebt.
Ideen für und Gedanken zum Projekt:
- Radikal Ökologisch
Da wir uns als Teil einer ökologisch-anarchistischen Bewegung sehen, wollen wir ein radikal klimaneutrales Leben ausprobieren, das heißt das Produkte die in der Herstellung, Unmengen an Energie verbraucht haben, von uns nur recycelt werden. Einen großen Teil des Projekts wollen wir so gestalten dass wir möglichst auch auf das recyceln verzichten und selbstorganisiert produzieren um auszuprobieren wie ein klimaneutrales Leben in der Zukunft aussehen könnte.
- Das Projekt als Widerstandsplattform: Direct-Action-Lager und Projekt-Büro
Ein Ort an dem alle möglichen Aktions-Materialien gelagert werden, und für alle offen nutzbar sind. Von A wie Alleskleber bis Z wie zwanzig Tripots soll es hier alles geben. Besser gesagt es gibt genau das was Menschen hierfür organisieren. Auch haben wir den Anspruch, dass sich das Prinzip der radikal ökologischen Selbstorganisation in den Aktionsmaterialien widerspiegelt. DIY-Materialien sind angesagt.
Auch soll es einen Raum geben, an denen Projekte geplant und umgesetzt werden. Möglich wäre hier die Einrichtung eines offenen Projekt-Büros, dass für Aktivisten zur Verfügung steht. Allgemein wäre es wünschenswert, wenn das Projekt für Aktivisten die viel unterwegs sind eine Plattform bietet auf der sie sich in Ruhe auf die nächsten Aktionen vorbereiten und Pläne schmieden können an einem Ort an dem sie sich wohlfühlen und alltägliche Bedürfnisse befriedigt werden können. Auch Räume zum Treffen wären wünschenswert. Diese Möglichkeit bedeutet aber auch an der Alltagsorganisation mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen. Ein runter"rocken" des Projektes kann verhindert werden, wenn sich die kommenden Aktivisten vornehmen immer ein bisschen mehr gegeben als genommen zu haben, wenn sie wieder gehen.
- Dissidente Subsistenz und selbstorganisierte Produktion: Umsonst-Ökonomie-Werkstätten und nicht-kommerzielle Landnutzung
Die Umsonst-Ökonomie-Werkstätten und selbstorganisierte Produktion sollen ein Teil der Umsetzung unseres Anspruchs utopisch zu leben sein. Die Idee hierbei ist, Werkstätten aufzubauen, die offen nutzbar sind, und nicht nur unseren eigenen Bedürfnissen entsprechen, sondern den Bedürfnissen von vielen Menschen gerecht werden können. Weiter ist die Idee, das Menschen, dann nicht nur Sachen für sich selbst produzieren, sondern über ihren eigenen Bedarf hinaus. So können diese Produkte von anderen Menschen genutzt werden die diese nicht selber herstellen wollen oder können.
Eine nicht-kommerzielle Landnutzung könnte bedeuten, dass die Privatisierung von Land wieder aufgehoben wird. Historische Beispiele wie die dörfliche Allmende, also Gemeindeland könnten hier als Inspiration dienen. Die zum Projekt gehörenden Flächen könnten den Menschen die sie bebauen wollen frei zu Verfügung gestellt werden. Vielleicht unter der Vorraussetzung, dass die Produkte allen zur Verfügung stehen. Offene Gärten, Äcker und Wälder wären die Folge. Somit wird die Landnutzung von marktwirtschaftlichen Sachzwängen befreit und es wird Raum geschaffen für wirklich ökologische Bewirtschaftungsmethoden. Auch die Verarbeitung sollte möglichst regional wenn nicht lokal geschehen. In vielfältigen Kooperationen die dazu Lust haben. Alle Erzeugnisse könnten bedingungslos, gegen Spende, zu Verfügung gestellt werden . Für die besser Planung können konkrete Vereinbarungen zwischen "passiven" und "aktiven" Landnutzern zu Stande kommen (Community Supported Agriculture / CSA wäre hier ein Stichwort). Auch der Verbrauch der Produkte macht lokal und regional am meisten Sinn. In Absprache könnten aber auch politische Projekte in der ganzen BRD mit länger haltbaren Produkten versorgt werden. Überregionale Kooperationen und Austausch mit anderen nicht-kommerziellen Projekten in der BRD könnten die Subsistenz stärken und ergänzen. Möglich wäre auch die Zusammenarbeit mit unter marktwirtschaftlichen Bedingungen wirtschaftenden Betrieben, die sich Stück für Stück von den entsprechenden Strukturen lösen möchten.
Die Idee dahinter ist, dass, wenn viele Sachen auf diese Art produziert würden, Lohnarbeit überflüssig würde, da mensch alles umsonst bekommen würde, und gleichzeitig eine Art der selbstorganisierten Arbeit im Vergleich zur Lohnarbeit geschaffen würde. Konkrete Ideen hierzu sind in der "Urproduktion": Gartenbau, Baumschule, Landwirtschaft / Ackerbau, Forstwirtschaft; das alles mit viel Pferdearbeit. Imkerei, Obstbau, schlachtungsfreie Tierhaltung, Permakultur-Bereich. Für die Verarbeitung könnte man sich folgendes wünschen: eine Textilwerkstatt zur Verarbeitung der Rohfasern, eine Verarbeitungswerkstatt für Imkereiprodukte, Holzwerkstatt, Töpferei, Heilmittel-, Kräuter- und Seifenwerkstatt, Papier- und Druckwerkstatt, Bäckerei, Tofurei, Verarbeitungsküche zum Trocknen, Einsäuern, Keimen, Mischen, Aufstriche machen und so weiter, eine Ölpresse für Bio-Speise- und Bio-Treibstofföl. Vielleicht wimmelt es dann auch noch von anderen Handwerkern: Lehm und Ofenbauer, Maurer, Zimmerleute und Wagenbauer um nur einige zu nennen.
Sinn machen würde es auf finanzieller Ebene sicherlicher, größere Investitionen nur dann zu tätigen wenn sie vom Geld langfristig unabhängig machen in dem sie die Reproduktion des Projektes stärken ohne Fremdenergien und damit den Teufelskreislauf von wiederum mehr Investionen nötig zu machen. Ein Beispiel ist Pferd oder Diesel-Traktor. Während der Traktor Mehrinvestitionen in Formen von Diesel braucht, kann das Pferd sonst nicht nutzbare Weideflächen als "Treibstoff" nutzen. Paralell dazu macht es auch Sinn, laufende Kosten gegenüber Staat und Kapital zu minimieren um die eigene Autonomie zu stärken. Möglichkeiten dafür wären, ein einfacher Lebensstil und geeignete Rechtsformen, aber auch gute Werkzeuge, Maschinen und Geräte die einfach gepflegt werden können und die die produzierenden Menschen ermächtigen und ihre Selbstentfaltung möglich machen.
Deshalb sind wir auf der Suche nach utopisch orientierten Menschen ihre Faches (Gärtnern, Handwerkern, Landwirten usw.), die auf schon fast in Vergessenheit geratene Methoden der Herstellung und Arbeitsweisen mit der Natur und / oder ökologischen und in der Natur der näheren Umgebung vorkommenden Materialien Wert legen und sich vorstellen könnten in diese Art von selbstorganisierte Produktion einzusteigen um den Umfang von selbstorganisierten Produkten stetig zu erweitern.
- Bibliothek
Eine Bibliothek, in die einfach jeder das stellt, was er an Literatur eben so einbringen kann, bietet vielfältige Möglichkeiten, die anderen Aspekte des Projektes von Direct Action über selbstorganisierte Produktion bis hin zur Kultur zu unterstützen. Eine Bibliothek als Ideen- und Wissenslager bietet Unabhängigkeit, eine Bibliothek als Raum voller Bücher läd zur Muse ein.
- Un-Konsumier-Bar
Eine Bar oder Café in dem die Grenzen zwischen Kulturschaffenden und Konsumenten sowie zwischen Thekendienst/Bedienung und Gast/Bediensteter abgeschafft werden. Ess- und Trinkbares gibt es gegen Spende, jeder holt und macht sich selber und am Ende gucken alle dass wieder sauber wird. Kultur wird gemeinsam geschaffen: So könnte es z.B. Jam-Sessions geben, „Open Voice“, oder ein Direct-Action-Café bei dem sich über Aktionsmethoden ausgetauscht wird, oder vieles andere. Ansonsten wird es natürlich VoKüs geben. Alles in allem eine gute Alternative zur Dorfkneipe die hoffentlich auch die lokale Bevölkerung anlockt. Solltet ihr Musiker da draußen euch angesprochen fühlen: Ihr seit herzlich willkommen. Auch soll Platz für interessierte Künstler und ihre Ateliers vorhanden sein.
- Pseudo-Emanzipatorischer Elitismus – Nein Danke! - Wir sind die Gesellschaft!
Oft werden die Anwohner alternativer Projekte als „Dörfler“ oder „Spießbürger“ verpönt. Der Hintergrund dafür, nämlich die konsequente Isolation von der lokalen Bevölkerung und der Rückzug in den eigenen pseudo-emanzipatorischen und elitären Schutzraum wird dabei oft ausgeblendet. Der Idee der Offenheit entsprechend, soll das Projekt die lokale Bevölkerung offensiv einladen mitzumischen um damit die Normalität vieler Menschen auf den Kopf zu stellen. Das System fängt Menschen nämlich in gerade diesen Normalitäten und das Projekt soll Spielraum für eigenes Agieren statt Reagieren und Platz für die Befreiung aus den Fesseln des Alltags bieten. Abgabe von Produktions-Überschüssen nicht vorerst an die „Szene“ sondern die lokale Bevölkerung wäre eine Möglichkeit sich zu vernetzen anstatt sich abzuschotten. Auch glauben wir, dass die lokale Bevölkerung einen Wissensvorsprung bezüglich der Region und ihrer Resourcen und Handwerke besitzen kann, der für eine selbstorganisierte und emanzipatorische Produktion genutzt werden kann. Ist es möglich Teil der jetzigen Gesellschaft zu sein, ohne Kompromisse zu machen? Bietet dies nicht viel bessere Möglichkeiten der Kommunikation mit Menschen die sonst abgeschreckt wären von "der Szene"? Macht dies nicht Subversion erst möglich?
- Offenes Wohnprojekt
Ein Wohnprojekt in dem es keine Unterscheidung gibt zwischen Bewohnern und Gästen. Jeder der hier pennt und sich aufhält ist gleich wichtig. Dazu gehören auch „Kinder“ und „alte“ Menschen mit ihren Bedürfnisse. Auch soll die Norm von Privatbesitz und Privaträumen hinterfragt und weitgehend abgeschafft werden. Alles was für eine gutes Leben nötig ist, ist auch für alle nutzbar und zugänglich. Schließlich gibt es genug für alle. Hier sind kreative Lösungen gefragt, weil es natürlich trotzdem noch individuelle Bedürfnisse, z.B. nach Rückzugsräumen, Kontinuität, Ordnung, Sauberkeit, Verantwortung und festen Vereinbarungen dafür gibt. Denn oft genug wird für Dinge die kein Privateigentum sind, keine Verantwortung übernommen. Hier wollen wir zeigen: Es geht anders. Auch macht es keinen Sinn, Eigentum welches individuellen Bedürfnissen entspricht (Möbel die einen persönlichen Wert haben, oder Matratzen die ergonomisch angepasst sind) zwangsweise zu entprivatisieren.
- Anders miteinander umgehen, leben und wirtschaften
Wir tragen alle unser ansozialisiertes Päckchen mit uns herum. Wir alle wollen dies in Frage stellen und Dinge davon abwerfen. Vielleicht aber wollen wir auch Dinge behalten. Auch das ist in Ordnung. Denn das Päckchen sollte nämlich nicht mit szene-internen Normen ersetzt werden. Wir wollen gar keine Normen und Zwänge. Auch nicht aus "der Szene". Fragend schreiten wir voran. Ohne Dogmen. Kritische Reflektionen über "die Szene" sind hier bitternötig: Emotionale Kälte, oberflächliche, rein politische Beziehungen, szene-interner Leistungsdruck und Arbeitszwang, Unterdrückung seiner eigenen Bedürfnisse und vieles mehr sind sicher Dinge die wir alle auch schon im ach so alternativen politischen Umfeld zu spüren bekommen haben. Hier gilt es anders miteinander umzugehen, einander Respekt entgegen zu bringen, zuzuhören und an uns zu arbeiten. Dies gilt auch für die von uns angestrebte gemeinsame Ökonomie. Gemeinsame Ökonomie heißt hier: Zusammen in einen Topf wirtschaften der allen zugänglich ist. Das Prinzip ist dann: Jeder gibt nach seinen Fähigkeiten, jeder bekommt nach seinen Bedürfnissen.
Was heißt es überhaupt "politisch" zu sein? Die Grenze zwischen "politischer Arbeit" mit Außenwirkung und der reproduktiven Subsistenz-Tätigkeiten könnte aufgelöst werden. Sind Menschen die für die "Aktivisten" Gemüse anbauen weniger "politisch" nur weil sie sich nirgendwo anketten? Ist das Leben an sich "unpolitisch"? Ist auf seine Emotionen hören, unbewusst Szene-Normen brechen und einander Wärme geben "unpolitisch"? Geht es mir gut wenn ich politisch korrekt, die Szene-Normen umsetze? Vielleicht ist "politisch" kein sonderlich hilfreicher Begriff...
- Lernort für selbstbestimmte Bildung
Es ist wichtig, gerade für selbstorganisierte Produktion, dass es Fachleute im Projekt gibt. Menschen die sich Fähigkeiten in einem bestimmten Gebiet angeeignet haben, ihr "Handwerk gut machen" und jetzt Verantwortung für einen Bereich im Projekt übernehmen. Klar erzeugt dies Wissenshierarchien mit denen herrschaftskritisch umgegangen werden sollte. Theoretisches Wissen soll allen durch offenes Büro und Bibliothek zu Verfügung stehen. Gruppen von Menschen die sich Dinge gerne selbst beibringen haben daher beste Vorraussetzungen. Aber auch das praktische Wissen der Fachmenschen sollte auf Anfrage möglichst gleichberechtigt weitervermittelt werden.
- Einfach dreist durch Einfachheit!
Ein Teil des Projekts, setzt sich für einen konsequenten Anti-Industrialismus und eine Analyse von Technik als Herrschaftsverhältnis ein. Diese Grundsätze sollen auch im täglichen Leben so konsequent wie möglich umgesetzt werden um sich vom industriellen Komplex durch Einfachheit dreist abzusetzen. Die Idee dahinter ist, dass ein Großteil der Technologie die wir heutzutage als selbstverständlich hinnehmen und deren Basis der globale industrielle Komplex ist, die Arbeit von Menschen durch Massenproduktion entfremdet, zu Isolation, sozialer Vereinzelung, Industriekrankheiten führt. Auf der globalen Ebene basiert ein solches System auf strukturellen Herrschaftsverhältnissen der Konsumenten gegenüber den Produzenten, da letztere in den Peripherien die Drecksarbeit machen und den Industriedreck zurück ins Gesicht geschmissen bekommen. Autonome und selbstorganisierte, traditionelle oder indigene Gemeinschaft werden in dieser Logik konsequent zerstört. Wir wollen diesem globalen Rassismus eine materiell einfachere aber sozial komplexere, reichere und erfüllendere Realität gegenüber stellen und trotzdem Technik nutzen und entwickeln, die ALLEN Menschen und ihren Bedürfnissen dient und nicht nur einigen wenigen.
- Bildet Banden!
Um nicht allein zu kämpfen macht es Sinn sich mit Projekten mit ähnlichen Ansprüchen europaweit und global zu vernetzen. Kontakte könnten zu Initiativen in Frankreich, England, der BRD, Schweden, Spanien und Osteuropa hergestellt werden. Wichtig halten wir auch die Vernetzung mit dem Widerstand in den globalen Peripherien. So zum Beispiel die Kämpfe von indigenen oder traditionellen Gemeinschaften. Das Projekt soll eine Plattform für den gleichberechtigten Austausch zwischen hier und dort bieten und damit offen für Inspirationen aus den globalen Peripherien sein. Ziele für Direct Action können so konkret gefunden werden und die Aktionen selbst in einen größeren, transnationalen Zusammenhang gesetzt werden.
- Aktuelle Situation
Bis jetzt ist das gesamte Projekt noch nicht mehr als eine Idee in den Köpfen weniger. Auch wollen wir uns viel Zeit füreinander nehmen um zu wissen, dass wir das Projekt gemeinsam wuppen wollen und um herauszufinden, inwieweit wir zum einen die gleichen Visionen verfolgen und uns zum anderen gegenseitig ergänzen können. Gerade sind wir dabei eine geeignete Rechtsform zu finden, einen Ort zu finden, und uns über die Finanzierung Gedanken zu machen. Wichtig ist uns, dass eine wie auch immer geartete Verschuldung und individuelle Beteiligungen so gering wie möglich gehalten werden, da wir sonst die Gefahr von Hierachien und eines „Klammern“ an das Projekt sehen.
Andere Dinge über die man sprechen könnte:
- Dieser Text
- Rechtsform
- Finanzierung
- Liste an Vorraussetzungen bei denen das Projekt für gescheitert erklärt wird
- Emotionale, ästhetische, Wohlfühl-Dimension
- Gemeinsame Ökonomie
- Fähigkeiten und Kompetenz-Liste
- Steckbriefe - Soziale Stärken und Schwächen
- Projekteliste für Kooperation
- Lehren aus der Alternativbewegung
- Utopie-Literatur und Utopie-Gegenstände sammeln
- Reden über uns, unsere Geschichte unsere Bezüge zu all diesen Themen
- Literaturtitel
- bolo'bolo
- Kunde im Nirgendwo
- Kleine Geile Firmen
- Blauer Montag
- Faszination Ladakh
- Small is Beautiful
- Hind Swaraj
- Die Kunst, frei zu sein
- Anleitung zum Müsiggang
- Öko-Anarcho-Interview: http://de.indymedia.org/2008/08/224669.shtml