Grundsätzliche Überlegungen
Darüber, was ein "offener raum" ist, gibt es unterschiedliche Ansichten. Von daher kann nicht eindeutig gesagt werden, ob die TS einer ist. Was eher wichtig ist, ist der Umgang mit der TS. Die TS ist eine Großbaustelle in jedweder Hinsicht. Es gibt Leute, die viel Arbeit, Energie und Geld investiert haben um den momentanen, unfertigen, Zustand zu erreichen. Damit waren Gedanken und Vorstellungen verbunden. Die TS lebt von Leuten, die was machen und Ideen einbringen. da schon viel passiert ist, gibt es Sinn, die dort lebenden Leute zu fragen was es mit den schon aufgebauten Zustand auf sich hat. In Absprachen sind erstmal fast alle neuen Ideen umsetzbar, es gibt ja noch genug Raum , in jeder Hinsicht, dazu. Der offene Umgang mit dem Ort kommt aus der Überlegung Hierarchien abzubauen. Normal ist, das irgendwelche Alteingessenen und Checker sagen, was geht, wer da sein darf und so. Jüngere Leute haben dann maximal Mitspracherecht und das Plenum entscheidet wer wohnen darf. In der TS gibt es nicht "die Bewohnis" und die "Gäste". das wird auch durch die Abwesenheit von Privaträumen unterstützt. Trotzdem gibt es Leute, die viel in der TS machen. Offenheit bedeutet nicht Ignoranz von vorhandenen. Daraus währe dann die Konsequenz, das die Leute mit der größten Ignoranz die sind, die langfristig die TS prägen.Offenheit heist auch, sich auf die Bedürfnisse, Ansprüche und Empfindungen der Anwesenden einzulassen und auch ein "Nein" zu akzeptieren, wenn da wer nicht mit irgendwas klarkommt. Was im Gegenzug auch bedeutet nicht zu leichtfertig mit einer Ablehnung von Ideen und Verhalten umzugehen. Wo versucht wird reflektiert miteinander umzugehen müssen auch Grenzen akzeptiert werden, damit sich nicht die stärksten und ignorantesten Leute durchsetzen. Das ist sicher für einige Leute ein Grund die TS nicht als "offenen Raum" anzusehen da es leider auch die Meinung gibt das ein "offener Raum" bedeutet, das jede/r alles machen kann. Nachfragen, ob eine Handlung oder eine Tätigkeit "klar geht" bedeutet nicht "um Erlaubnis zu fragen" sondern ist das herantasten an die Grenzen derer, die auch in der TS sind. Wo das Verhalten der einen die anderen direkt betrifft und diese stört, stellt direkte Intervention die Alternative zu regeln und Ausgrenzungen dar. Wo menschen auf ihr Verhalten angesprochen werden, wo überhaupt Sensibilität wächst und Menschen aufeinander achten, um dort zu intervenieren, wenn sie Verhalten falsch finden, wächst die Chance zur veränderung. Strafe dagegen schafft dieses nicht, weil es das Durchsetzen der einen gegen die anderen ist, das festlegen der "richtigen" Meinung oder Verhaltensweise-nicht die Auseinandersetzung. Kritik am Konzept der direkten Intervention als Alternative zur Strafe bezieht sich meist auf besonders schwerwiegende Fälle, z.B. sexistische Übergriffe oder faschistische Positionen. es ist nicht einfach zu reagieren, wenn z.B. die Grenze einer Person irgendwie überschritten wurde aber die/der Täter_in das nicht interressiert. Beim Verzicht auf Strafe oder durchsetzbare Regeln bleibt nur die nachdrückliche Bitte, angstfreie Räume zu schafen-Im Einzelfall mit der Aufforderung, einen Ort zu verlassen. das muß dann so durchgesetzt werden, das es auch tatsächlich passiert. Auch hier gibt es zur Vermeidung dieser Situation Sinn beim Aufenthalt in der TS zu hinterfragen welche Ansprüche und Grenzen Einzelne_r vorhanden sind um einer eventuellen Grenzüberschreitung vorzubeugen b.z.w. die TS , im Extremfall, wider zu verlassen da nicht jeder Anspruch mit jedem Anspruch vereinbar ist. eine letzte Unsicherheit bleibt. denn wo keine Regel, kein Gesetz, kein Beschluss, kein Gremium und damit keine formalisierte Kontrolle mehr gibt, ist alles ein offener Prozess. Genau das aber ist die Stärke, denn "Beschlüsse" oder Gesetze verkürzen nur die notwendigen Auseinandersetzungen. Emanzipatorische veränderung bei den kritisierten Personen ist nur über intensive und persönliche Kommunikation möglich, zudem sind die Täter_innen häufig nicht das einzige Problem. Diskussionen als emanzipatorischen Prozess für alle Beteiligten zu gestalten, muß allerdings erst neu gelernt werden.
Offener raum-was ist das?
Als "offener Raum" kann ein Aktionsfeld bezeichnet werden, in dem es keine Beschränkungen gibt, diesen zu nutzen und zu füllen - außer die anderen AkteurInnen, mit denen bei Interessenkollision (z.B. Nutzung der gleichen Infrastruktur, Flächen u.ä. zur gleichen Zeit) eine direkte Vereinbarung geschlossen wird. Ein Raum und seine Ausstattung (Technik, Räume, Wissen, Handlungsmöglichkeiten usw.) ist dann offen, d.h. gleichberechtigt für alle nutzbar, wenn die Beschränkungen physisch und praktisch nicht bestehen, d.h. der Zugang zu den Handlungsmöglichkeiten darf weder durch verschlossene Türen, Vorbehalte, Passwörter usw. verwehrt werden können noch dürfen Wissensbarrieren hingenommen werden, die Einzelne von der Nutzung des offenen Raumes und seiner Teile ausschließen. Dieses bedarf in der Regel eines aktiven Handelns, um Transparenz herzustellen, Zugänge zu Informationen zu ermöglichen und Erklärungen z.B. für technische Geräte bereitzustellen. Kontrollfreier und bedingungsfreier Raum
Die Offenheit eines Raumes würde eingeschränkt durch Bedingungen des Zugangs oder der Nutzung von Teilen sowie durch tatsächliche oder optionale Kontrolle. Kontrolle erzeugt auch dann, wenn sie nicht konkret ausgeführt wird, Angstgefühle. Sie teilt Menschen oder Gruppen in (potentiell) kontrollierte und (potentiell) kontrollierende. Dieser Zustand bleibt auch dann bestehen, wenn die potentiell Kontrollierenden diese Funktion nicht ausüben wollen und es im Regelfall nicht tun. Allein die Möglichkeit verändert das Verhältnis von Menschen untereinander. Ist eine Metastruktur als Kontrollinstanz nutzbar, z.B. ein Plenum, so verlagert sich die Kommunikation um die Weiterentwicklung des Raumes, bei Interessenkollisionen und oft auch bei Kooperationen zwischen Teilen des Ganz en auf diese Metastruktur. Das steht einer freien Entfaltung aller Teile des Ganzen im Weg, da in der Metastruktur eine andere Form der Kommunikation herrscht, die von Regeln, taktischem Verhalten und einer mehr auf Sieg/Niederlage orientierten Redeform geprägt ist. Direkte Kommunikation und freie Vereinbarung gedeihen nur dort uneingeschränkt, wo Kontrolle und damit die mögliche Alternative, Konflikte auch herrschaftsförmig zu klären, gar nicht bestehen. Das muß nicht zwingend heißen, das "Gruppengespräche" zu bestimmten Themen nicht stattfinden sollen/können.Zweitrangig ist dabei, wie die Kontrolle organisiert ist - ob in der Dominanz einer Einzelperson oder -gruppe (z.B. Hausrecht, Faustrecht, rhetorische Dominanz) oder in demokratischen Prozesse. Demokratische, auch basisdemokratische Entscheidungskompetenz auf Metaebenen ist Kontrolle, zerstört direkte Kommunikation und erschwert freie Vereinbarung " wenn auch verschleierter. Die einzig grundlegende Alternative zu allen Formen von Kontrolle ist die totale Kontrollfreiheit: Es gibt keine Möglichkeit mehr, außerhalb gleichberechtigter Kommunikation eigene Interessen durchzusetzen.
* Zitate zum Thema "Kontrolle"
Offensives Herstellen des offenen und kontrollfreien Raumes
Offenheit und Kontrollfreiheit entstehen nicht durch bloßes Weglassen form aler Verregelung. Das würde übersehen, dass die Gesellschaft durchzogen ist von Zurichtungen der Einzelpersonen und sozialer Gruppen, die auch in einem von formalen Unterschieden freien Raum weiterwirken. Hierzu gehören di e autoritären Aufladungen im Verhältnis zwischen Menschen, z.B. der Respekt vor älteren Menschen, Titeln, sog. ExpertInnen oder Amtspersonen, aber auch die Rollenmuster nach Geschlecht, Bildungsgrad oder Herkunft. Mit dies en Vorprägungen betreten alle Menschen auch einen offenen, kontrollfreien Raum und werden sich entsprechend gegenüber anderen verhalten " es sei denn, es gibt einen aktiven Prozess, der Zurichtungen überwindet oder zur Überwindung beiträgt. Dazu gehören:
1. Bewusstmachung von Zurichtungen, Dominanzen usw. über Texte, Gespräche, Reflexionen und mehr vor, während und nach dem Gruppenprozess. Offensive Erklärungen aller Möglichkeiten, also der Technik, der Nutzbarkeit von Räumen und ihrer spezifischen Ausstattungen, des Zugangs zu Wissen (falls dieses nicht direkt sichtbar ist) und informierten Personen, der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten des offenen Raumes usw. Bereitstellung der räumlichen und technischen Möglichkeiten sowie des Wissens für dominanzmindernder Gruppenverfahren, z.B. Räume für Fish-Bowl, Wände zur Visualisierung usw. 2. Workshops, Seminare und Einführungen in die Nutzung technischer Ausstattung, in Aktionsmethoden, Gruppenverfahren und vieles mehr. Herstellung einer hohen Transparenz des "Was läuft wo?", "Welche Streitpunkte bestehen und werden wo diskutiert/geklärt?", "Was fehlt?", "Wer braucht Hilfe?", "Welche Weiterentwicklungen des offenen Raumes laufen oder werd en angestrebt?" usw. Dazu sollten ein oder mehrere Informationspunkte geschaffen werden, an denen alles, was läuft oder geplant wird, angeschrieben wird mit Treffpunkt, Kontakt u.ä. (siehe Verfahren "Open Space").
Raum als sozialer Begriff
Mit Raum ist in diesem Text nicht nur ein umbauter Bereich, also ein Gebäu de oder Zimmer, ein Zelt oder eine Fläche, sondern auch ein sozialer Raum. Es ist denkbar, einen solchen herzustellen, ohne dass sich die Menschen überhaupt direkt begegnen - eine Internetkonferenz mit dem Ziel, z.B. eine Aktion zu planen oder Software zu entwickeln, kann als ein solcher sozialer Raum betrachtet werden. Klassischer ist das Treffen einer Gruppe, ein Camp, ein Kongress oder ein Projekttreffen. Der konkrete Ort ist oft völlig unwichtig, wichtiger ist das, was die Beteiligten mitbringen an Wissen, Erfahrungen, Know-How, handwerklichen Fähigkeiten, Informationen, materieller und finanzieller Ausstattung. Sie verbinden sich oft mit unterschiedlichen rhetorischen und sonstigen Möglichkeiten zu Dominanzstrukturen. Experimente zur Dominanzminderung und zur Öffnung allen Wissens und aller Möglichkeiten für alle Beteiligten gestalten auch eine Gruppe, ein Seminar oder ein andere Treffen zum "offenen Raum"
Da diese "Großbaustelle TS" nicht von alleine existiert sondern viel Organisation, Aufbau und Instandhaltung braucht und anderseits zur Zeit wenig Leute da sind nervt es kollossal wenn Leuts, die dazu in der Lage sind, sich nur in die Struktur setzen und nix für den weiterbau oder wenigstens die erhaltung der Struktur tun. Die TS ist auch eine Aktionsplattform. Soll heißen: Viel Material und Energie geht in Camps und Aktionen. Davon kommt dann vieles nicht zurrück. Das muß auch irgendwie reorganisiert und repariert werden.
Siehe auch:
- A5-Broschüre (16 Seiten) zu "Offenen Räumen": Bestellen ++ Download (darf beliebig ausgedruckt, vervielfältigt und verteilt werden!)
- Text- und Debattenseiten zur Idee "Offener Raum" als Wiki
o Diskussion um offene Räume von Projekten aus Berlin mit Debattentexten, Terminen für Diskussionen usw. o Debatten um Strukturen auf Jugendumweltkongress 2005/06 o Was gegen offene Räume gesagt wird und was davon zu halten ist ... Wiki zum Selbsteintragen von Kritik und Entgegnung
- Download einer Ausstellungstafel zu: Offener Raum ++ Offene Plattformen ++ Übersicht HierarchNIE-Ausstellung
- www.offener-raum.de.vu: Das Wiki zum Erfahrungsaustausch und zu Vernetzungstreffen/Seminare rund um "Offene Räume" * Grundsatztext zur Idee von offenen Räumen, den Zielen und Schwierigkeiten (Grünes Blatt 1/2008)
- Berichte und Fotos vom "Offenen Raum" auf dem Sozialforum 2005 in Erfurt
- Debatte um Offenes Büro in Magdeburg
- Debatte um ein soziales Zentrum in Köln (März 2005) in Abgrenzung zu offenen Räumen
- Vorstellung des "Offenen Raumes Projektwerkstatt Saasen" (Broschüre als PDF)
- www.hierarchnie.de.vu
(Unfertiger Text, der noch überarbeitet und vervollständigt werden muß (2/09))