Ergebnisprotokoll
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Perspektiventage 08 - Workshop
Inhaltsverzeichnis
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[Bearbeiten] „Utopie und Autonomie“ oder: „Freiräume vs Alltag?!?“
IST ZWAR VIEL ABER HOFFENTLICH WERT ZU LESEN VIEL SPAß
[Bearbeiten] Einleitung:
- Also, erstmal: sehr GR0SSE RUNDE, erfreulich, wie viele bunt gemischte Menschen das Thema interessiert.
- Nachdem in einer großen Runde erstmal Themen gesammelt worden waren, wurde über die Arbeitsweise abgestimmt: erstaunlicherweise war zur Abwechslung mal -trotz der vielen Menschen- kaum jemand für Kleingruppenspaltung, sondern den meisten war es wichtig, dass endlich einmal VIELE VERSCHIEDENE SICHTWEISEN ZUSAMMENKOMMEN und dass man GEMEINSAM diskutiert.
- Die komplette Diskussion verlief -dank toller Moderation und gut gemanageter Redeliste- friedlich, konstruktiv und inspirierend, die Stimmung war sehr gut. Grundsatzdiskussionen -die den Rahmen der großen Runde gesprengt hätten- wurden auf friedliche Weise vermieden und der Fokus lag auf KONSTRUKTIVER ZUSAMMENARBEIT und das Schaffen von GEMEINSAMEN PERSPEKTIVEN.
- Eine kleine KLEINGRUPPE gab es auch, die laut eigener Aussage (während wir in großer Runde eher theoretisch blieben) „sehr persönliche Themen“ besprach.
- Im Anschluss an die ERSTE RUNDE gab es -nach dem Essen- auch noch eine ZWEITE RUNDE (Fortsetzung) mit weniger, aber immer noch vielen Menschen, in der es dann auch schon etwas konkreter wurde und bei der dann auch Menschen aus der vorherigen Kleingruppe anwesend waren.
Das Hauptergebnis des Treffens etwas schwammig formuliert: LASST UNS UNSERE ALLTÄGLICHEN, INDIVIDUELLEN KÄMPFE "ZUSAMMENDENKEN"! LASST UNS GEMEINSAM ALLTAG (so wie wir ihn uns wünschen) IN DIE BESTEHENDEN FREIRÄUME BRINGEN UND FREIRÄUME IM (kapitalistischen) ALLTAG SCHAFFEN! ;-)
[Bearbeiten] erste Runde (vor dem Essen)
[Bearbeiten] Themensammlung
- Revolutionierung unseres Alltags
- Verknüpfung von Alltag und Politik
- Widersprüche zwischen Alltag und Politik
- Was ist „Autonomie“? Was können soziale Themen sein?
- „das antikapitalistische Subjekt“ stärken
- kollektiv leben + alternativ wirtschaften
- konkrete Projekte
- Grob vereinfacht ging es den meisten Menschen im Workshop um die WIDERSPRÜCHE zwischen ihrem gelebten Alltag und dem Leben, das sie theoretisch „revolutionär“ und wünschenswert fänden., z.B.
- Warum lebe ich weiterhin von Hartz IV, wenn ich doch „autonom“ sein will?
- Wie finde ich neben meinem fremdbestimmten Job noch Zeit für politische Arbeit?
- Warum muss ich weiterhin bei Lidl einkaufen gehen, obwohl ich genau weiss, dass ich das nicht will und auch lieber regionales Bio-gemüse hätte?
- Wie schaffe ich es, autonom und selbstbestimmt zu leben, ohne in eine „Freiraumghetto“-Parallelwelt abzurutschen und den Bezug zur Gesellschaft zu verlieren?
- Warum macht man es mir als Mensch, der viel Arbeit und Zeit investiert, um einen Freiraum zu erhalten und eine andere Welt aufzubauen so schwer, damit in meiner politischen Arbeit ernst genommen zu werden?
- Warum schaffe ich es nicht, in der Uni, wo ich doch eh jeden Tag bin, meine politischen Ideen besser zu vermitteln – muss ich die Leute denn erst in ein besetztes Haus schleppen, um sie zu erreichen?
- Kurz: wie können wir endlich was in unser ALLER Alltag ändern und unsere Ideen verwirklichen, egal ob wir nun in einer Landkommune hocken oder täglich in Arbeit oder Schule gehen? Wie ändern wir unsern Alltag in dieser prekären Situation?
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[Bearbeiten] Erfahrungen im kapitalistischen Alltag:
- schwer, selbstbestimmt zu leben - „wir stehen alle mit dem Rücken an der Wand“
- selbst in Freiräumen sind wir nicht frei - „wir kommen nicht ganz raus“
- „OHNE MAMPF KEIN KAMPF“ -sich selbst Nischen zu schaffen ist gerade noch irgendwie möglich, aber für Gemeinschaft und kollektives Handeln bleibt kaum Zeit
- individuelle Kämpfe, wo man hinschaut, aber wenig kollektive Kämpfe...
- Apathie: die meisten Leute haben keine Lust mehr, was von Problemen zu hören, das einzige, womit man sie noch begeistern könnte, wären Lösungen, die man oft nicht parat hat... (sowas wie: ich kaufe meine Hosen von einem fairtrade Händler aus ner befreundeten Kooperative, ich geh nur 3 Stunden täglich selbstbestimmt arbeiten und kann trotzdem leben:-) )
- SPALTUNG der Gesellschaft und auch der Szene - „Priviligierte“ kaufen sich „Biosiegel-Gewissen“ - der Rest hat keine Wahl
- wenig Zusammenhalt selbst „szene“intern, selbst produzierte Spaltung wo man hinschaut
- „massive und präventive KONTRAREVOLUTION weltweit“+ REPRESSION nimmt zu
- gucken wir „an den Punkten wo's richtig weh tut“ einfach weg und kämpfen derweil lieber woanders?
- Warum schaffen wir es z.B. auf Camps wir in Rostock uns gemeinsam zu organisieren und IM ALLTAG NICHT?
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[Bearbeiten] Kritik an bestehenden „Freiräumen“:
- „Frei“räume oft VERSCHLOSSEN, nur offen für Leute aus der „Szene“ und selbst dann meist nur über Privatkontakte
- „UNPOLITISCH“ - „die eigenen Nachbarn sind ihnen egal“
- Freiräume sind „Partyräume“? - ENTPOLITISIERT und NUR NOCH MIT DEM KAMPF UM IHR EIGENES ÜBERLEBEN BESCHÄFTIGT?
- IDEEN werden nicht „raus“ getragen, sondern ZIRKULIEREN innerhalb der Freiräume
- NISCHENDASEIN, aber keine Alternative für größere Teile der Gesellschaft --> Kampf „draussen“ wichtiger?
- „sich auszuklinken ist ein Irrweg“, denn unsere Probleme sind Probleme, die eine globale Weltgesellschaft betreffen
- Warum schaffen wir nicht MEHR FREIRÄUME IM KAPITALISTISCHEN ALLTAG? Auch in Arbeit, Uni, Schule, usw kann man Freiräume schaffen! (auch diese sollten offener und besser sichtbar und vernetzt sein!)
[Bearbeiten] Kritik an der Kritik an Freiräumen:
- Alternativen aufbauen ist auch ein Kampf an vorderster Front!
- „es werden einem dauernd Steine in den Weg gelegt“
- NISCHEN, in die man sich zurückziehen kann / in denen man seine eigene Kultur leben kann und sich selbst stärken kann SIND WICHTIG - ausserdem: eine gut funktionierende, hierarchiefreie WG hat potenziell vielleicht mehr Ausstrahlung und schafft mehr Motivation, als ein schlecht geführter „Arbeiterkampf“
- „ENORMER AUFWAND UND ES KOMMT WENIG ZURÜCK“ - Öffnen der Freiräume ist schwer durch KONSUMHALTUNG der Menschen, die reinkommen und mehr nehmen als geben + denen wohl nicht bewusst ist, wie viel Arbeit dahinter steckt einen Freiraum zu erhalten
- auch die Camps in Rostock haben nur so gut funktioniert, weil einige wenige sich mehr überarbeitet haben, als sie es auf Dauer (im alltäglichen Leben) durchgehalten hätten
- Leute die reinkommen sind „TRAUMATISIERT“, notwendige Arbeiten werden als „Ohnmachtserfahrungen“ wahrgenommen (z.B. das Schnibbeln von tonnenweise VoKü-Gemüse oder das theoretische Beschäftigen mit einem Text) – auch im freien Raum gibt es Küchen zu putzen!
- Offenheit muss erst entstehen angesichts der Angst vor immer größer werdender Repression und destruktiver Kritik von allen Seiten
- ÖFFENEN VON FREIRÄUMEN ERFORDERT MEHR UNTERSTÜTZUNG VON AUSSEN UND GERECHTERE AUFTEILUNG VON SELBSTORGANISATIONSPROZESSEN (=ARBEIT) auf mehr Menschen – Selbstorganisation und Solidarität müssen wir LERNEN, man kann das nicht von selbst – wir sind anders sozialisiert und das ist ein LANGSAMER PROZESS
[Bearbeiten] Lösungsansätze zum "zusammendenken" der beiden Lebensweisen "in Freiräumen" und "im System":
- der Realität ins Auge sehen: wir BRAUCHEN Perspektiven! - „wir sind nicht mehr frei hier!“ , „wir sind nicht so priviligiert“, von Hartz IV leben geht vielleicht jetzt noch, aber wahrscheinlich nicht mehr lang
- endlich aufhören uns gegeneinander auszuspielen + nach Perspektiven zu suchen, wo doch längst Ansätze da sind!
- GESELLSCHAFTLICHE EXPERIMENTE STARTEN
- EXPERIMENTE MACHEN, FEHLER MACHEN - LERNEN!
- „OFFENE Parallelgesellschaft“ statt Nischendasein - „Paralleluniversum das groß genug ist um Leute rauszuziehen“
- konkret INTERNATIONAL denken und handeln, nicht nur abstrakt!
- KONKRET AUF MENSCHEN UND GRUPPEN ZUGEHEN
[Bearbeiten] mehr Freiräume im Alltag schaffen
- an den wirklich schwierigen Punkten nicht weggucken, sondern zu sich selber stehen und sich einmischen!
- auch Leute die aus (welchen Gründen auch immer) nicht im besetzten Haus wohnen brauchen + wollen Freiräume!
[Bearbeiten] Erfahrungsaustausch, konstruktive Kritik und Vernetzung innen, Öffnung nach aussen
- sich bewusst machen, dass mit Selbstorganisation auch viel Arbeit verbunden ist - Freiräume sind Orte, um „Perspektiven“ zu schaffen, nicht Privilegien - der Ausstieg aus Lohnarbeitsverhältnissen ist kein „Privileg“, sondern eine „Perspektive“, denn er ist nunmal mit viel Arbeit, viel Eigenverantwortung und Existenzängsten verbunden
- die Freiräume selbst sind vielleicht momentan nicht offen, aber die IDEEN die darin entstehen (z.B. Umsonstökonomie) SIND POLITISCH
- sich Zeit dafür geben zu lernen, unsere Sozialisierung der Geldlogik zu überwinden -„200 Jahre kapitalistische und 2000 Jahre patriarchalische Sozialisierung schafft man nicht von heute auf morgen ab“
- Gruppen gegenseitig anschaun und FEEDBACK geben, ohne Urteile zu fällen – sich gegenseitig helfen zu lernen
- bestehende Freiräume dazu nutzen, sich GEGENSEITIG dazu zu BEFÄHIGEN, Freiräume im Alltag zu schaffen – v.a. Ängste abbauen
[Bearbeiten] Strukturen schaffen, die uns befähigen durchzuhalten
- individuell kommen wir nicht weiter, als Gruppen können wir nur „revolutionär“ sein, wenn wir nicht nur uns selbst sehen, sondern OFFEN sind!
- SOLIDARNETZWERKE BILDEN, Zeit gewinnen, sich gegenseitig Ängste nehmen - Stichworte SCHENKÖKONOMIE, BILDUNGSNETZWERKE, FINANZKOOPEREATIVEN, ...
- Wer die individuellen Kämpfe stützt, stützt das „antikapitalistische Subjekt“
[Bearbeiten] Freiräume als experimentelle Lernorte für Kommunikation und Austausch
- andere mehr in ihrem alltäglichen Kampf wahrnehmen + auf sie zugehen - konkret: Freiräume sollten sich mehr öffnen, auf ihre Nachbarn zugehen, etc, BERÜHRUNGSÄNGSTE ABBAUEN!
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[Bearbeiten] zweite Runde (nach dem Essen)
[Bearbeiten] Kurzzusammenfassung des Gespräches der "Selbsthilfegruppe" die "Selbstbefähigungsgruppe" werden will
- In der 2. Runde war das Hauptthema die „VERZAHNUNG VON POLITIK UND PERSÖNLICHEN (ALLTAGS)PROBLEMEN“, wie uns die eigene SOZIALISIERUNG in der Gesellschaft, der permanente DRUCK und die (Existenz-)ANGST nahezu handlungsunfähig machen – und natürlich vor allem, was man dagegen tun könnte.
- Nicht nur, dass wir für die Dinge, die wir gerne tun würden niemals von irgendwem Geld bekommen würden - wenn ZWISCHENMENSCHLICHE BEZIEHUNGEN TIEF VON KAPITALISTISCHEN WERTEN DURCHZOGEN SIND und selbst bei Solidaraktionen oft eine Wert- und Warenlogik durchschimmert (...ich geb was also gebt ihr mir was zurück...), was macht man dann? Wenn man darauf angewiesen ist im Lotto zu gewinnen oder eine Bank zu überfallen, um „menschlich“ (=“moralisch“) bleiben zu können?
- Wir kamen zu dem Schluss, dass wir alle viel zu tun und zu lernen haben und uns GEGENSEITIG DABEI UNTERSTÜTZEN MÜSSEN – die eigenen EXISTENZÄNGSTE MITHILFE ANDERER ABBAUEN, während man mit der eigenen „Revolution des Alltags“ anfängt und so die KAPITALISTISCHEN DENKMUSTER ANDERER AUFBRICHT.
- Wir sollten uns wohl bewusst werden, dass die „Sicherheit“, die Staat und Gesellschaft uns bieten allemal noch PSEUDO-SICHERHEIT ist und dass es wohl besser ist, seinen (materiellen) Lebensstandart etwas zu senken, als „in einem reichen Land auf der Straße zu verhungern“ (was spätestens in ein paar Jahren wohl möglich sein wird, wenn es so weitergeht wie bisher). Unter solchen Gesichtspunkten betrachtet ist eine „alternative“ Lebensweise mit weniger materiellem und mehr „geistig-seelischem“ Lebensstandart nämlich gar nicht mehr so „unattraktiv“.
- Wir sprachen darüber, dass auch nicht-“Linke“ (bzw nicht „kulturell-Kreative“;-) ) Utopien in sich tragen und man sie wohl miteinbeziehen sollte, darüber wie wichtig es ist AN SICH SELBST ZU ARBEITEN, sich MIT ANDEREN AUSZUTAUSCHEN und immer wieder zu REFLEKTIEREN. Gezielt NACH HILFE ZU FRAGEN und Dinge AUCH MAL ANZUNEHMEN (da eben nicht jeder gleich etwas zurück fordert) ist dabei durchaus erwünscht.
- Konkret ging es u.a. um
- Schenkökonomie (=Solidarwirtschaft, z.B Umsonstläden, etc),
- Solidarnetzwerke zur Notfallvorsorge (wie z.B. artabana),
- Selbstversorgertum (das manchmal sogar funktioniert),
- Kommunenleben und kollektives wirtschaften,
- workers centers (eine Idee aus den USA zur Arbeiter-Selbsthilfe),
- um Gewaltfreie Kommunikation in der Politik,
- Bildungsnetzwerke,
- kurzum um's (AUS)TAUSCHEN, SCHENKEN UND TEILEN und wie man allumfassende Solidarität am besten VERNETZT, wenn's geht GLOBAL. THINK GLOBAL, ACT LOCAL und so... ;-)
- Ein paar persönliche hilfreiche Kontakte ergaben sich dabei auch und über weitere Kommunikationsstrukturen und Netzwerkgründungen wird noch nachgedacht.
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[Bearbeiten] Schlusswort
ALSO, VERGESST ÜBER DIE POLITIK NICHT DEN ALLTAG, DENN AUCH UND VOR ALLEM ER IST POLITISCH! MOTIVIERT UND HELFT EUCH GEGENSEITIG, NUR SO HABEN WIR EINE CHANCE AUF SELBSTBESTIMMTHEIT IN DER KÄLTE DIESER ZEIT


