Coming Together/Projektgründung
Gedanken zur Projektgründung
Neues anfangen macht Spass, und vielleicht hat ja Cesare Pavese recht: "The only joy in the world is to begin." - Keinen Spass macht es aber, die Fehler anderer zu wiederholen und erst später zu merken, dass andere in genau dieselben Fallen schon früher getappt sind. - Was können wir aus früheren Projekten lernen?
Ziele
- Viele Projekte gehen irgendwann den Bach runter, weil sich nach einer Anfangseuphorie herausstellt, dass die beteiligten Menschen unterschiedliche Ziele haben.
- Andererseits sind Projekte langweilig und überflüssig, wenn die Beteiligten nicht experimentieren können, nichts dazulernen und ihre Ziele nicht ändern können.
- Damit ein Projekt nicht zerbricht, ist es deshalb wichtig, dass das Projekt einen Grundkonsens hat, mit dem sich anfänglich alle identifizieren. Wenn einzelne ihre Ziele später ändern, können sie das Projekt verlassen. Umgekehrt können auch andere dazukommen.
- Ohne Grundkonsens würde sich das Projekt - wie leider viele - irgendwann verlaufen, sprich die Leute würden weglaufen, und spätestens wenn die Gründer*innen weg wären, wär es gestorben.
Fazit: Einen Grundkonsens erarbeiten, formulieren, aufschreiben, oder es gleich bleiben lassen.
- Interessant ist natürlich, warum es meist andersrum läuft: Erst wird gemeinsam irgendwas gemacht, und dann stellen sich massive Unterschiede raus... - Häufig liegt es an der politischen Kultur: Im Aktivismus ("Hauptsache es passiert was") werden Menschen auf ihre organisatorische Rolle reduziert, ihre persönlichen Bedürfnisse und Erfahrungen sind kaum Gegenstand des Plenums, und darüberhinaus findet keine wirkliche Kommunikation statt.
- Ein Beispiel wie es bei Wohnprojekten auch anders geht, wäre ein Bedürfnisfragebogen, den die Beteiligten erst mal für sich ausfüllen, dann ihre Bedürfnisse kommunizieren, und erst danach entscheiden mit wem sie ein Projekt gründen.
Motivationen
Auch wenn ein Konsens über die Grundziele gefunden ist, kann das Projekt aus Mangel an Motivation sterben.
Mögliche, und gar nicht so unübliche Motive fürs anfängliche Mitmachen wären z.B.:
- "Ich hab grad nix besseres vor." bzw. "Ich hab grad Zeit und Lust, was zu machen."
- "Ich bin dabei, weil Person X auch dabei ist."
- "Ich find die Idee cool."
Langfristig tragen diese Motive nicht. Und nachdem "externer Erfolg" höchst selten ist (und Erfolg auch keine Rolle spielen sollte), bleibt hauptsächlich die Möglichkeit, dass die Beteiligten sich gegenseitig motivieren. - Wenn der Umgang miteinander schlecht ist, entsteht leicht die Situation, dass ein paar wenige versuchen, das Projekt am leben zu halten (aufopferungsvoll, held*innenhaft, aber umsonst), und irgendwann aufgeben.
Fazit: Die gegenseitige Motivation und der Umgang miteinander sind entscheidend für den dauerhaften Bestand des Projekts.
Das Projekt sollte nicht auf unbestimmte Zeit laufen, sondern nach z.B. einem Jahr reflektiert und ohne Vorbehalte überdacht werden. Es ist auch hilfreich, wenn die Beteiligten gleich zu Anfang sagen, wie lang sie sicher mitmachen, und ob sie danach überhaupt noch da sind.
Transparenz
Für eine hierarchiefreie Organisierung von Unten sind klare Strukturen (für alle Beteiligten und neu Dazukommenden) ziemlich wichtig:
- welche Gruppen gibt es?
- wie heissen die Menschen? (Anonymität schützt auch gegen Repression, aber schadet hier viel mehr als sie nützt)
- welche Treffen gibt es?
- welche Mailverteiler und sonstige Kommunikations-Werkzeuge gibt es?
- welches ist das akzeptierte Medium, mit dem ich alle anderen erreichen kann?
- was wurde wann publiziert?
- wen kann ich bzgl. Thema XY ansprechen?
- welche Regeln gibt es? Wo kann ich die nachlesen?
- was muss ich tun (aufräumen, putzen, ...)?
- was muss ich besonders beachten?
- was sollten neu ankommende wissen?
- Wie entscheidet meine Gruppe?
- Wie gehen wir in der Gruppe mit Konflikten um?
- Wie wird in Fragen entschieden, die das ganze Projekt betreffen (z.B. Veröffentlichungen, Raumnutzung)?
- Wie gehen wir im Projekt mit Konflikten um?