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Anders Leben/Anders wirtschaften/Umsonstökonomien/NutzerInnenGemeinschaft

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[Bearbeiten] Was ist eine NutzerInnengemeinschaft

NutzerInnengemeinschaften (NutziGems) sind Personen, die etwas gemeinschaftlich nutzen. Im Prinzip ist eine NutziGem ein Freundeskreis oder umgekehrt sind viele Freundes- und Bekanntenkreise auch eine NutzerInnengemeinschaft. Fast überall, wo man sich kennt wird etwas gemeinsam genutzt, ausgeliehen, illegal vervielfältigt, verschenkt, dauerhaft zur Verfügung gestellt, sich gegenseitig beigebracht und geholfen usw. Alles kann in solchen NutziGems landen, d.h. einerseits natürlich Gegenstände (die Bohrmaschine, der Eiscrusher, das Wohnmobil...), dann aber auch Strukturen (das Gästezimmer, der Internetzugang, der Partykeller...) und häufig auch Fertigkeiten und Wissen (Computerkenntnisse, Umzugshilfe, Reparaturkönnen...). Die ganze Gesellschaft funktioniert so, nur dass im Bekannten- und FreundInnenkreis solche Formen gemeinsamer "Nutzung" meist ohne Geld über die Bühne gehen. Klar, alle gucken schon ein wenig auf den Zustand und die Entwicklung des Verhältnisses zu den jeweiligen AusleiherInnen oder Unterstützten, aber ob die Gegenseitigkeiten insgesamt wirklich auch im Barwert oder in der Nettoarbeitszeit genau ausgeglichen wären, interessiert oft nur am Rande. Oder, um nicht nur den quantifizierbaren Teil dieser Vereinbarung in den Blick zu nehmen: Eigentlich gibt es überhaupt keine fixe Regel, nach der sich solche Formen von NutziGems bilden. Der eine hat diese Bedingung, die andere macht es so. Mit wem die Einzelnen überhaupt, mit welchen Zielen und mit welchen konkreten Inhalten zu einer Vereinbarung über eine gemeinschaftliche Nutzung von Gegenständen, Strukturen und Fertigkeiten kommen ist sehr unterschiedlich. Das ist eine althergebrachte NutziGem, etwas völlig alltägliches, allgemein bekanntes und übliches. Eine Vereinbarung zur gemeinschaftlichen Nutzung ist ein soziales Verhältnis auf Gegenseitigkeit, aber ohne die übliche Tausch- oder Marktlogik oder zumindest mit einem gewissen Potential für Selbstbestimmung und Tauschwerteliminierung.

Gemeinschaftsökonomie und Eigentumsneutralisierung Das ist die weitestgehende Form – es gibt gar keinen eigenen Besitz mehr, sondern nur gemeinschaftlichen und (noch schlauer!) es gibt kein Eigentum mehr. Letzteres widerspricht zwar dem geltenden Recht in Deutschland, aber als Vereinbarung bis hin zum Vertrag kann auf die Ausübung des Eigentumsrechts verzichtet werden – und so ist es zumindest in der Wirkung aufgehoben. Beispiele für solche Projekte:

Besitz zusammentun: Wenn die AkteurInnen einer Gruppe, benachbarter WGs u.ä. einfach ihre Bücher, ihr Werkzeug (Heimwerkzeug, Fahrradwerkzeug ...), ihre teuren Anzüge, Computer und Peripherie usw. in einem dafür eingerichteten Raum zusammenstellen, entsteht schnell ohne Aufwand eine hervorragend ausgestattete Bastel- oder Fahrradwerkstatt, eine beeindruckende Bibliothek, ein hochkarätiger Computerraum (plus Einzelgeräte bei denen zuhause, die z.B. viel schreiben) usw. Eigentum an Flächen und Häusern liquidieren: Verschiedene Projekte versuchen bereits, Häuser und Flächen kollektiv zu nutzen und eigentumsrechtliche Möglichkeiten wie Verkauf, Profit usw. zu verhindern. Das geht z.B. durch gegenseitige Kontrollvereinbarungen mehrerer Häuser (z.B. Vorbehaltsrechte im Grundbuch) oder durch Verträge, die den Eigentümern ihre Macht nehmen. Für ersteres ist das Mietshäusersyndikat in Freiburg ein gutes Beispiel, für zweiteres ist die Stiftung FreiRäume als Rechtsträgerin und Vertragspartnerin mit der jeweils aktiven Gruppe gegründet worden (siehe www.projektwerkstatt.de/stiftung).